In den April schicken

Der 1. April als Narrentag ist weit über unsere weißblauen Grenzen hinaus bekannt. Über den Ursprung dieses alten Brauches, die Leute in den April zu schicken, kann man nur verschiedene Vermutungen anstellen., Gewiss hat das veränderliche und trügerische Aprilwetter, das voller Launen sein kann, einen wichtigen Anlass dazu geliefert, oder war es einfach nur die ungebundene Fröhlichkeit, welche alle Menschen zu Beginn des Frühlings ergreift?

So sind es meist ahnungslose, vielleicht sogar einfältige Personen oder unverständige Kinder, die beim Aprilschicken hereingelegt werden. Das kann geschehen, indem man angestrengt in eine bestimmte Richtung schaut oder irgendwo hinzeigt. Läßt sich ein Anwesender verleiten, dasselbe zu tun, so erhält der Angeführte neben der offiziellen Bezeichnung “Aprilnarr”, bei uns, wo ich daheim bin, den spöttischen Zuruf “Apruiaff - gescheckata Hoizaff”.

Oft wird bewusst die falsche Nachricht verbreitet, dass da oder dort etwas Besonderes geschehen oder zu sehen sei. Am häufigsten aber ist das “In den April schicken” mit unmöglichen Aufträgen verbunden, die meistens in der Apotheke oder beim Kramer zu erledigen sind. “Bring mir doch um ein Zehnerl ein Ibidum oder für ein Fünferl einen Oxdradium eineSchachtel schwarze Kreide, eine kleineDose Mückenfett oder gar ein Packerl Stecknadelsamen mit”, heißt es dann am 1. April hinterfotzig. Ganz schön blamiert stehen die Kinder da, wenn ihnen die Verkäuferin mit einem verschmitzten Lächeln erklärt, dass sie genarrt worden sind.

So war ich mit meinen sechs Jahren ebenfalls nicht der Erste und auch nicht der Letzte, der am 1. April um ein Ibidum geschickt wurde. Doch auch ich ergriff die Gelegenheit, sogar die Erwachsenen mit einem Aprilscherz hereinzulegen, was ich mir sonst nie getraut hätte. Auf den Hinweis, “im Gesicht sind sie schwarz” oder “ihr Schuhband ist offen”, entstand jedes Mal ein schadenfrohes Gelächter meinerseits, wenn sich der Genarrte danach bückte oder versuchte, in einen Spiegel zu schauen. Ihn gar einen Aprilaffen, gescheckten Holzaffen anschließend zu nennen, war schon ziemlich respektlos und Mutter verbot mir eindringlich, so etwas wieder zu sagen.. Den Herrn Lehrer das Fräulein oder gar den Herrn Pfarrer in den April zu schicken getrauten wir uns allerdings nicht. Dazu hatten wir viel zu viel Respekt vor dem Tatzenstecken.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 01.04.2003

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