Gott mit dir, du Land der Bayern

Als ich Anfang der fünfziger Jahre die Schulbank der 5. Klasse Volksschule drückte, erhielt jeder Schüler eine Postkarte; auf der das "Lied der Bayern", die Bayernhymne, abgedruckt war. Der Text stammte von Michael Oechsner, komponiert wurde das Lied von Konrad Max Kunz (1812 - 1875). Heute noch bin ich unserem Lehrer, Herrn Sepp, der schon längst tot ist, dankbar, dass er uns als Elfjährige die beiden Strophen mit dem gewiss nicht leichten Text auswendig lernen ließ und uns auf seiner Geige auch die Melodie beibrachte. Damit machte er uns in jungen Jahren zu Bekennern der bayerischen Heimat, und wir spürten auch schon ein klein wenig die Bedeutung Gottes für unser Land, wenn wir dafür in der Hymne seinen Segen erflehen.

Was man in seiner Jugend gelernt hat, vergisst man nicht mehr so leicht. In späteren Jahren meines Lebens fand ich kaum eine Gelegenheit, die Bayernhymne öffentlich mitzusingen. Ich war halt kein aktiver Bayer. Dazu bedurfte es erst einer gewissen Lebensreife, die in mir die Liebe zu meiner bayrischen Heimat neu erwachen ließ - und zwar mit aller Kraft. Immerhin war mir die Bayernhymne von Kindheit an geläufig, wenn ich auch nicht ganz verstehen konnte, warum es plötzlich "Heimaterde" und nicht mehr "deutsche Erde" im Text heißen sollte. Hatte Bayern mit Deutschland so schlechte Erfahrungen gemacht? Irgend einen Grund wird es schon haben, dachte ich. Unser Herrgott ist sicherlich mit beiden Versionen einverstandne. Gottes Namen jedoch aus unserer Hymne ganz zu verbannen, wie es abartige Kräfte gerne haben möchten, wäre Gotteslästerung mit schweren Folgen.

"Gott mit dir, du Land der Bayern" singen die Trachtler Nordamerikas auf ihren Trachtengaufesten in den Vereinigten Staaten - voller Inbrunst - wovon ich, als ein eifriger Besucher dieser Feste jedes Mal tief berührt bin. Schöner und besser könnten sie ihre Liebe und Verbundenheit zu Bayern nicht zum Ausdruck bringen .

Sind wir doch stolz und dankbar, dass wir eine Hymne besitzen, die zugleich ein Gebet ist.

Hans Lehrer