Das Feldkreuz

Als Zeichen tiefer Frömmigkeit hat der Zehentbauer schon vor langer Zeit hinter seinem Anwesen am Wiesenrand ein Feldkreuz errichten lassen. Es steht zwischen zwei mächtigen Birken, die nicht nur dem Heiland am Kreuz, sondern auch dem Wanderer, der dort seine Rast hält, an heißen Tagen erholsamen Schatten spenden wollen. Für ein kurzes Gebet lädt eine Bank zum Verweilen ein, und während der stillen Andacht gleitet der Blick über die weiten Fluren, bis hinauf zum Firmament. Der Platz um das Kreuz ist eingezäunt und mit Blumen liebevoll bepflanzt. Bittgänge, Maiandachten und sogar die Fronleichnamsprozession führen die Gläubigen immer wieder hierher, wo ihnen der Segen zuteil wird.

Ein Baukonzern hat dieses ganze Gelände für “Dreißig Silberlinge” erworben. Schon sind die Bagger angerückt und schieben das Erdreich zur Seite. Das Kreuz ist für sie ein Hindernis. Am liebsten würden sie es samt den zwei Birken mit ihren gewaltigen Mäulern einfach verschlingen oder dem Erdboden gleichmachen.

Vereinzelt fragen sich besorgte Christen, ob dieses Kreuz so stark sein wird, sich an seinem angestammten Platz zu behaupten? Sie beten darum, dass durch die Kraft Gottes die menschliche Vernunft siegen möge und das Feldkreuz zu einem Mahnmal werden lässt.

Hans Lehrer