Das Schwein ist von besonderem Nutzen

Trotz fettarmer Ernährung ist das Schwein auch in unserer Zeit für den menschlichen Haushalt noch immer von großer Bedeutung. Seit den ältesten Zeiten gehört es zu den Haustieren, wie Abbildungen von Schweinen durch vorgeschichtliche Höhlenbewohner und Funde von Schweineknochen in den Pfahlbauten beweisen.

Bei den Germanen und späteren Deutschen stand es als Opfertier in höchstem Ansehen. Als Rennsau lief sie in den Gassen des Münchner Städtchens frei herum und fraß alle Küchenabfälle vor den Häusern auf. Ich selbst habe noch miterlebt, wie uns gleich nach dem Krieg das "schwarzgeschlachtete" Schwein, das wir in kurzer Zeit mit Geißenmilch heimlich gemästet hatten, vor den schlimmsten Entbehrungen bewahrte.

Der Volksglaube, dass es der Sitz unreiner Geister sei und vielleicht deshalb von ihm abwertend gesprochen wird, ist nicht deutsch sondern durch jüdisch-christliche Einflüsse verursacht worden. Mag das Schwein, wie manche Leute denken, auch Reittier der Hexen und des Teufels sein, so ist vor allem seine Bedeutung als Glücksbringer bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Es wird von einem Sauglück gesprochen, das man hin und wieder hat oder weiß sein erspartes Geld im Sparschwein, als seinem persönlichen Glücksschweindl wo sich das Geld vermehrt, gut aufgehoben.

Früher war das geschlachtete Schwein während des Winters fast die einzige Fleischspeise. Auch heute noch gehört Schweinefleisch in irgendeiner Form, besonders an Weihnachten und Neujahr, fast überall zum Festschmaus. Schweinskopf, Schinken und Mettenwürste bilden dann den Mittelpunkt des Essens. Zu Ostern ist es nach wie vor Brauch, dass man kirchlich geweihtes Schweinefleisch isst. Dem Aberglauben zufolge hat alles, was mit Schweinen zusammenhängt, heilende Kraft. Erwiesen aber ist, dass das Schweinefett als bewährtes Hausmittel gegen die verschiedensten Krankheiten hilft.

Die Hausschlachtung erfolgte meist im Winter da in der Kälte das Fleisch nicht so schnell verdarb und die Fliegen keinen Schaden anrichten konnten. Schon früh am Morgen kam der Metzger und machte dem grunzenden Schwein mit seinem Schussapparat den tödlichen Garaus. Einer half mit, das tote Tier in den Stadel zu schleifen, wo alles weitere in altbewährter Weise ablief: stechen, Blut rühren, brühen, rasieren, aufhängen, halbieren usw. In der Küche ging’s zu wie in einem Schlachthaus. Im Waschkessel dampfte schon das siedend heiße Wasser. Auf dem Küchentisch türmte sich das Fleisch, welches tranchiert und kleingeschnitten wurde. Der Metzger füllte die gereinigten Därme mit Blut und kleingehacktem Speck, machte Leber- und Blutwürste sowie schwarzen und weißen Pressack. Damit der große Fleischsegen möglichst lange anhielt und auch später noch etwas da war, wurde ein bestimmter Teil des Fleisches zum Räuchern in die Selch gehängt. Die Schweinsblader aber, die nichts anderes als die gesäuberte Harnblase war, wurde aufgeblasen und zum Trocknen an das Stadeltor gehängt. An einen Stecken gebunden eignete sie sich gut als Luftballon, mit dem der Kasperl, genauso wie mit seiner Pretsche, auf Fasching die anderen Kinder tratzte und sie damit "sanft" berührte.

Ein Erlebnis mit seinem kranken Schwein war für Großvater so wichtig, dass er es im Notizbuch fein säuberlich niederschrieb: "Junges Schwein am 4. März beim Decken. Dasselbe, geboren 5. Juli 1923, hatte ich am 10. März 24 im Freien. Es ging ein etwas rauher Nordostwind. Am 11. in den Stall gelassen. Am 12. in der Früh nicht aufgestanden zum Fressen. Es wurde gegen Mittag noch nicht besser. Telefonierte dem Herrn Menzinger. Er kam gegen Abend, konstatierte eine Lungenentzündung und impfte es gegen Rothlauf. Wir haben es dann kalt gewickelt, ein wollenes Tuch darüber gebunden und noch mit einer wollenen Decke zugedeckt. Es hatte 39° Fieber und seine Fresslust war ganz schlecht. Hie und da trank es etwas frisches Wasser. Erst am 14. gegen Abend hatte es wieder den Kopf etwas gehoben. Während der Krankheit kam der abgestumpfte Atem nur stoßweise. Ich habe das kranke Schwein nach den Eingeweiden abgehorcht. In den inneren Organen rührte sich gar nichts und es schlief fortwährend. Jeden Tag gab ich ihm ein Klistier. Dann ging auch Stuhl. Erst am 15. in der Früh; als ich in den Stall kam, sah ich, dass das Schwein wieder Fresslust zeigte, gab ihm dann etwas zu fressen, hernach frisches Wasser, das es gerne schlürfte. Mit etwas Holz- und Steinkohle kam dann allmählich der regelmäßige Appetit."

Großvater hatte nochmals Sauglück gehabt.

Hans Lehrer