Daxen hacken

Zum Stolz eines Bauern gehört auch heute noch das sorgfältig aufgerichtete "Holz vor der Hütt'n", mit dem besonders früher das ganze Jahr über eingeschürt wurde. Damit der Vorrat nicht ausging, spannte er rechtzeitig ein und lud einen oder gar mehrere feichterne Bäume auf sein Fuhrwerk, wobei die zersägten Stämme unten lagen und die abgehackten Äste zu einem stattlichen Fuder aufgeschichtet wurden.

Jetzt erwartete die zwei Tanten viel Arbeit. Sie ließen die Hausarbeit liegen und stehen und schoben den Flickkorb oder das Strickzeug, die sonst zu ihrer Nachmittagsbeschäftigung gehörten, beiseite. Jede band sich eine rupferne Arbeitsschürze um, stellte sich in den Holzschuhen hinter den Hackstock und begann mit dem Zusammenhacken der Fichtenäste. Dazu verwendeten beide einen handlichen "Schnoater" ganz aus Eisen mit einer länglichen schmalen Klinge, die ganz schön scharf war. Während sie aus den dicken Ästen Prügel zum Einheizen machten, banden sie die gehackten Daxen zu Büscheln zusammen, mit denen später ebenfalls eingeschürt wurde. Der Rest diente als Streu für die Tiere.

Und was tat ich während dieser Zeit? Damit mir nicht langweilig wurde, stopfte ich mir die Hosensäcke mit Tannenzapfen voll, stieg auf den Baum und bewarf damit die Tanten oder die Nachbarinnen, die gerne auf eine Ratsch vorbeischauten, bis ich vom Vater endlich eine geschmiert bekam.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 19.04.2003

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