Heiliger Schutzengel mein...

Irgendwann im Leben hat jeder von uns schon einmal "einen Schutzengel gehabt". Gott hat ihn den Menschen gegeben, damit er bei Gefahren und Versuchungen hilfreich zur Seite steht. Wer es schwarz auf weiß wissen will, braucht nur in der Heiligen Schrift nachzulesen. Im Psalm 91, Vers 11 heißt es wortwörtlich: Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Vom Schutzengel halte ich sehr viel. Wichtig ist, dass man an ihn glaubt, mit ihm redet, ihn einfach anspricht. Aus meinen frühesten Kindheitstagen hebe ich im Gebetbüchl ein Heiligenbildchen auf. Ein Engel ist darauf abgebildet, der seine Hände schützend über ein Kind ausbreitet, das einen schmalen, vom Einsturz bedrohten Steg überquert, unter welchem sich gefährlich der Abgrund auftut. Hätte ich als kleiner Bub und auch später keinen Schutzengel gehabt, wäre ich sicher schon lange nicht mehr am Leben. Er war es, der mich jedes Mal heil aus dem Luftschutzkeller herausholte, der mich aus dem tiefen Wasser zog und somit vor dem Ertrinken rettete, aber auch vor großen Dummheiten bewahrte oder vor schlechten Kameraden rechtzeitig warnte. Meinem Schutzengel habe ich wirklich ganz viel zu verdanken; und das sagt mir die innere Eingebung.

Ich mag ungefähr vier Jahre alt gewesen sein, als mich mein Vater auf einem Fuhrwerk aufsitzen ließ, mit dem er vom Mistfahren leer zurückkehrte, auf dem man sich aber nirgends richtig einhalten konnte. Gezogen wurde es von einem Ochsen, der sich zuweilen schlecht einspannen ließ und auch so seine Mucken hatte. Mein Vater hielt die Zügel locker in der Hand und ging neben dem Wagen einher. Plötzlich scheute der Ochse, riss sich los, so dass meinem Vater die Zügel entglitten. Der Ochse raste mit dem Wagen, auf dem ich den Halt verlor und herunterzufallen drohte, auf und davon. Diese Sekunden des Schreckens gruben sich tief in meine Erinnerung ein. Ich sehe meinen Vater noch heute, wie er hilflos dem Gefährt hinterherläuft, auf dem ich in Todesgefahr schwebte. Der Ochse durchbrach eine heruntergelassene Bahnschranke, wobei das Fuhrwerk, von dem sich das Tier losgerissen hatte, auf dem Bahnübergang zum Stehen kam. Amerikanische Soldaten, die sich damals auf der Turnwiese in unserer Ortschaft beim Ballsport befanden, erkannten die gefährliche Situation und eilten herbei. Es gelang ihnen, im allerletzten Augenblick, bevor der Zug durchfuhr, den Wagen von den Gleisen zu ziehen und später auch den Ochsen einzufangen.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 11.03.2003

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