Die Mordtat in Hinterkaifeck

Wenn ich an Hinterkaifeck denke, überkommt mich jedes Mal ein Schaudern. Anfang der fünfziger Jahre habe ich aus der Zeitung als zwölfjähriger Bub zum ersten Mal von dieser furchtbaren Bluttat, die sich 1922 in der Nähe von Schrobenhausen zugetragen hat, erfahren. Fast auf den Tag genau sind es jetzt 75 Jahre her, dass auf dem Einödhof Hinterkaifeck sechs Menschen durch ein grausames Verbrechen ihr Leben verloren. Der oder die Täter konnten nie gefasst werden, und noch heute rätselt man über das Tatmotiv. Getroffen hatte es damals den Austragsbauern Andreas Gruber, seine Frau Cezilia, deren beider Tochter Viktoria Gabriel mit ihren zwei kleinen Kindern und die Magd Maria Baumgartner, die am Abend der Mordnacht auf den Hof gekommen war, um am nächsten Morgen ihren neuen Dienst anzufangen. Die Bewohner des Anwesens waren Eigenbrötler. Da man nichts genaues über sie wusste, wurde umso mehr gemunkelt. Viel Geld sollen sie im Haus aufbewahrt haben, so dass es ein Raubmord gewesen sein könnte. Warum aber wurde dann das viele Gold- und Silbergeld, sowie der Schmuck zurückgelassen? Von Blutschande war die Rede; denn der Bub, den die Tochter zur Welt gebracht hatte, nachdem ihr Mann schon vor fünf Jahren nicht mehr vom Krieg heimgekommen war, stammte angeblich von ihrem eigenen Vater aus einem “verbotenen Verhältnis”. War etwa Rache mit im Spiel? Äußerst brutal war die Vorgehensweise der Täter. Vermutlich mit einer Kreuzhaue wurde den Opfern der Schädel eingeschlagen. Auch die siebenjährige Cezilia und der zwei Jahre alte Josef verloren auf diese Weise ihr noch so junges Leben. Den kleinen Josef traf die Mörderhand im Stubenwagen, wo er friedlich schlief. So wurde eine ganze Familie plötzlich ausgelöscht. Ein Jahr danach wurde das Anwesen Hinterkaifeck abgerissen. Ein Marterl in der Nähe des Tatortes erinnert noch heute an das furchtbare Geschehen und seine sechs Opfer.

Über den Mordfall Hinterkaifeck ist von Peter Leuschner im apus-Verlag ein Buch erschienen, das diesen unheimlichen, rätselhaften Kriminalfall dokumentiert. Obwohl die Tat viele Jahre zurückliegt, haftet sie im Gedächtnis, als wäre sie gestern geschehen.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 03.05.2003

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