Nikolaus und Klaubauf

In unserem Lesebuch für das 5. und 6. Schuljahr lasen wir Anfang Dezember auf der Seite 51 das Spiel vom “Nikolaus und Klaubauf”, dessen Verfasser kein geringerer als der Heimatdichter Max Peinkofer ist. Es beginnt im tiefen finsteren Wald, wo der Wind scharf aus dem Böhmerwald pfeift und alles mit Schnee bedeckt ist. Der Klaubauf meldet dem Herrn Nikolaus, dass sie jetzt ins Simandlhaus kommen, wo der kleine Maxl wohnt, der den Nikolaus nicht fürchtet. Doch dieser kennt schon seine Pappenheimer, die erst recht schneidig und tapfer tun und sich dann wie der Blitz unter dem Tisch verstecken. Noch lästert der Maxl, macht sich über den hohen Besuch lustig und will ihn sogar mit dem Haklstock verdreschen. Die Eltern versuchen ihn ermahnend umzustimmen, und die Mutter erzählt ihm vom St. Nikolaus, der ein heiliger Bischof gewesen ist und im Morgenland gelebt hat. Er tat den Armen viel Gutes:

“Darum hat auch der Herrgott den Bischof, den frommen, in seinen Himmel hinaufgenommen.”

Der Vater aber fügt hinzu:

“Der Klaubauf jedoch, sein grausamer Knecht, der ist nicht heilig, dem trau ich nicht recht! Der trägt seinem Herren Ruten und Pack und steckt die bösen Buben hinein in den Sack.”

Als die Kette scheppert und der Tyras anschlägt, ist Maxl schon unter dem Tisch verschwunden. Da er dem Herrn Bischof vor lauter Angst die Hand nicht geben will, steckt ihn Klaubauf in den Sack. Maxl verspricht sich zu bessern, nachdem er seine Lausbubenstreiche bereut hat. Nikolaus gibt den Eltern eine birkene Rute, befielt dem Klaubauf, den Gefangenen freizugeben und beschenkt ihn obendrein mit Äpfeln und Zwetschgen, Kletzen und Nüssen und sogar mit ein paar recht süßen Leckerln.

Klaubauf warnt den Maxl eindringlich:

“Tu dich ja nimmer mucksen! Werd ich wieder gekränkt, so wirst du ganz sicher geholt und ertränkt!”

Nachdem Sankt Nikolaus zum Abschied das Haus gesegnet hat, ärgert sich Klaubauf, dass er wieder keinen “Buam im Sackl” hat.

Ich bat den Herrn Lehrer, das Stück mit einigen Mitschülern spielen zu dürfen und kümmerte mich um die Kostüme und Requisiten. Die Mutter machte ich selbst und schlüpfte in das arg verschwitzte Dirndl meiner großen Schwester. Als ich aber in dieser Rolle die herrlichen Kleider des Herrn Bischof zu bewundern hatte und ihn in meinen Versen fragte:

“Was tragt Ihr, Herr Bischof, für herrliche Kleider! Die stammen gewiss von dem himmlischen Schneider? Der Mantel aus teuerstem Sammet gemacht? Das ist fürwahr eine himmlische Pracht!”

Da grinste die ganze Klasse. Woher hätte ich diese himmlischen Kleider aber auch nehmen sollen? Dem Buben, der den Nikolaus spielte, hatte ich einfach den blauen Morgenmantel meiner Mutter angezogen, der ihm viel zu groß war. Der Klaubauf bekam einen wegen seiner vielen Laufmaschen ausrangierten Nylonstrumpf über den Kopf gestülpt. Und alle freuten sich, dass die Lesestunde ausfiel und dafür Theater gespielt wurde.

Hans Lehrer