Schellack-Platten

Zu meiner Raritätensammlung gehören auch sieben, für mich recht wertvolle Schellack-Platten. Stammen sie doch aus der Bogenhausener Zeit meines Großvaters, wo er ab dem Jahr 1904, also lange noch vor dem 1. Weltkrieg, neben seiner Tätigkeit als Ziegelmeister auch noch in der Ziegeleikantine, die in den beiden vorderen Räumen des Wohnanwesens untergebracht war, den Wirt machte. Damals befand sich in der behaglich eingerichteten Wirtsstube zur Unterhaltung der Arbeiter und sonstigen Gäste ein Grammophon, das noch einen imposanten Trichter hatte. Um eine Schallplatte auflegen zu dürfen, musste man in ein Holzschüsserl ein Geldstück werfen. Sicher ging es dort gemütlich zu, wenn Großmutter gut aufkochte und so manches Krügl Bier geleert wurde.

Diese Zeiten sind längst vorbei! Dort, wo sich in der Denninger Straße auf Haus Nr. 140 und in der nahen Umgebung einst die Ziegeleien mit ihren Lehmgruben und Ökonomiebetrieben befanden, stehen heute riesige Hotelkomplexe, Bank- und Verwaltungshochhäuser. Nur Bilder existieren noch von damals und eben diese paar musikalischen Erinnerungen. Ab und zu lege ich eine Platte auf. Es rauscht und knirscht zwar ein bisserl, aber ich fühle mich in eine Zeit zurückversetzt, die ich selbst leider nicht miterlebt habe, aber dennoch gut nachempfinden kann. Da wurde getanzt und geplattelt auf dem rauen Holzfußboden, wenn die richtigen Leut’ beieinander waren. Oder es holte einer die Zither heraus und es erklang das Lied vom Andreas Hofer oder dem Wildschütz Jennerwein, und auch die Kinder, die ausnahmsweise länger aufbleiben durften, horchten aufmerksam hin.

Die alten Platten aber sind es wert, dass ihre Titel einzeln genannt werden, um sich somit eine genauere Vorstellung machen zu können. Und so spielt auf der ersten Platte das Instrumental-Terzett Gebr. Weinschütz München einen Zwiefachen, das Hirtamadl und auf der Rückseite ‘s Dirndl mit dem roten Miada. Auf der folgenden Platte hört man die Dachauer Bauernkapelle “Strassmaier” München mit dem Schlierseer Ländler und dem Lenggriesser Schuhplattler. Darauf folgen ein Oberbayerischer Ländler und ein Steirischer Tanz. Die Oberlandler-Kapelle “Jais” München spielt den Haushammer- und den Isartaler Schuhplattler. Kreuzplattler oder Fünferschlag und der Ruhpoldinger Schuhplattler sind von Georg Schick “arrangiert” und werden von der Kapelle des Kgl. Bayr. Musikmstrs. Peuppus München mit dem Kapellmeister Martin Fischer gespielt. Die Bauernkapelle Lechner bringt uns den Untersberger Bauernwalzer und einen Steirischen Laendler. Nochmals hört man die Kapelle des Kgl. Bayr. Musikm. Peuppus unter persönlicher Leitung ihres Kapellm. Emil Kaiser, der den Wurzhütten- und Vorarlberger Ländler dirigiert.

Man kann sagen, was man will! Ohne die alten Schellack-Platten wüsste man heute gar nicht mehr, wie die Musik früher geklungen hat und sie helfen mit, den Geist einer zünftigen und gemütlichen Zeit von damals wieder auf- und hochleben zu lassen.

Hans Lehrer