Vom Rad gestürzt

Das Radfahren lernt man heute schon in der Kindheit und kann es dann ein Leben lang. Früher, als das Fahrrad noch so geschätzt wurde, wie heutzutage das Auto, war es nicht selbstverständlich, dass man als Kind schon ein eigenes Rad bekam. Auch die Großen sparten lange hin, bis sie sich einen "Drahtesel" leisten konnten. Die holprigen Straßen waren damals meist in einem schlechten Zustand, die Räder technisch noch wenig entwickelt und die Radfahrer ziemlich unsicher auf dem Sattel. Nicht selten passierte es, dass jemand vom Rad stürzte und sich Verletzungen zuzog. Wie oft hat es mich als Kind doch selbst geschmissen, wenn ich versuchte, besonders waghalsig zu fahren oder auf einem Herrenrad, das für mich viel zu groß war, gebückt unter der Mittelstange in die Pedale zu treten und dabei das Gleichgewicht verlor. Doch auch die Erwachsenen erwischte es hin und wieder bös und ihr Sturz hatte oft schwerwiegende Folgen.

Im Notizbuch meines Großvaters entdeckte ich unter dem Datum des 21. Juli 1934 folgenden Eintrag:

"Als ich mich von meinem Holzeinkauf beim Sackmann in Moosach mit dem Rad auf dem Heimweg über Zinneberg nach Glonn befand, stürzte ich am Schlossberg. Ich wurde am Kopf verwundet. Meine Nase erlitt Abschürfungen. Die beiden Handflächen bluteten stark. Das linke Knie wurde aufgeschlagen, und es entstand ein innerer Bluterguss. Ich bekam einen Stoß zwischen der ersten und zweiten Rippe und prellte mir die linke Schulter und den Oberarm. Mit einem Loch am linken Ellbogen und einer Gehirnerschütterung blieb ich zehn Minuten bewusstlos liegen. Für den Verband bezahlte ich dem Doktor in Glonn sechs Mark. Der Treiner Hans von Trudering fuhr mich mit dem Auto heim. Die Weiterbehandlung übernahm der Dr. Schuster von Berg-am-Laim. Am 30. Juli bin ich wieder aufgestanden."

Heute erfreut sich das Fahrrad bei jung und alt größter Beliebtheit. Auch ich fahre lieber mit dem Rad, als dass ich mit meinem Auto unnötig die Umwelt belaste. Nicht viel allerdings halte ich von den Radfahrern im Gebirge, die auf einsamen Bergpfaden dahergeschossen kommen und die friedvolle Ruhe und Beschaulichkeit aus den Bergen hinaustragen oder besser gesagt hinausfahren.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 02.08.2003

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