Der Aberglaube steckt auch in der Lederhose

Die Urform der Lederhose, der Lederschurz, ist wohl das älteste Kleidungsstück, das wir kennen. Die Hose im allgemeinen vertritt im Volksglauben das männliche Geschlecht, wie der Rock oder der Kittel das weibliche und wird so zum Sinnbild der Herrschaft. Da die Hose die Schamteile verhüllt, ergibt sich eine enge Verbindung mit dem Geschlechtsleben und der männlichen Zeugungskraft und wird in den Fruchtbarkeitszauber mit einbezogen.

Wichtig ist, ob die Lederhose neu oder alt und getragen ist, aber auch die Art, wie sie getragen oder aufgehängt wird und unter welchen Umständen man sie verwende, ist bedeutsam. Neben der Hose selbst werden in neuerer Zeit auch die Unterhosen in die Betrachtungen mit einbezogen, die bei Männern seit Karl dem Großen, allgemeiner seit dem 12. Jahrhundert, und bei Frauen erst seit dem 16. Jahrhundert in Gebrauch kamen und bei der weiblichen Landbevölkerung lange Zeit noch vielfach unbekannt waren.

Die Mannshose, die das Geschlecht, aber auch die Kraft des Mannes versinnbildlicht, kommt besonders bei der Schwangerschaft und Geburt zur Geltung. Weit verbreitet ist deshalb die Sitte, bei oder nach der Entbindung eine Hose auf das Bett der Wöchnerin zu legen oder, wie Luther angibt, der "Kindbetterin" um den Hals zu hängen. Damit wurde, wie bei allen mit einem Kleidertausch verbundenen Bräuchen, ursprünglich der Zweck verfolgt, böse Geister, die der Mutter und dem Kind schaden können, zu täuschen.

Die Hose und ihre Teile spielen ferner im Liebes- und Eheleben eine Rolle. Reißt einem Burschen ein Hosenknopf, so denkt die Liebste an ihn. Verliert eine weibliche Person das Band der Unterhose, so ist ihr Freier oder Mann nicht treu. Die Redensart: “Sie hat die Hosen an”, weist auf die Bedeutung hin, welche die Hose als Hauptstück der männlichen Tracht in bezug auf die Herrschaft im Ehestand hat. Den Hosenstreit, d.h. den Streit zwischen Mann und Frau, wer die Hose und somit die Herrschaft im Haus, erlangen werde, hat man im Mittelalter oft bildlich dargestellt. Um die Herrschaft in der Ehe zu bekommen, legt im Stubaital (Tirol) die Braut am Hochzeitstage eins ihrer Kleidungstücke über die Hose des Mannes.

Im Mittelalter war es Sitte des Hosenherablassens, die darin bestand, dass ein zahlungsunfähiger Schuldner auf offenem Markt oder auf einer dazu errichteten Säule unter Herablassen der Hose und Zeigen des nackten Hinterns erklärte, dass er nichts mehr habe und dass man sich an seinem unbewehrten Körper schadlos halten möge.

In der Feldwirtschaft gibt es nicht selten den Brauch, das erste Samenkorn durch die Hosenbeine zu säen. Damit will man nicht bloß, wie meist angegeben wird, das Säen vor den Vögeln, welche das Saatgetreide fressen, verheimlichen, sondern sicher auch vor den schädlichen Geistern. Doch übt die Hose selbst auch wegen der ihr innewohnenden Manneskraft eine befruchtende Wirkung aus und erhöht die Zeugungskraft der Saat, die man daher auch schon vor der Aussaat durch die Hose wirft. Unverblümt äußert sich diese Vorstellung in dem Brauch, dass die Hose des Sämanns ungeknöpft bleibt, und noch mehr darin, dass der säende Bauer mitunter den Penis aus der Hose heraushängen lässt.<

Von sonstigem Aberglauben ist zu erwähnen, dass man in der Gegend von Landshut beim Wäschetrocknen die Hosen verkehrt, d.h. an den Füßen aufhängt, um den Regen zu verhindern.

Den Abschluss meiner Hosenbetrachtungen möchte ich mit dem weisen Satz schließen, dass jener reich wird, welcher die Hose auf den Knien durchlöchert, und jener arm, der sie auf dem Sitz durchscheuert.

Hans Lehrer