Alle Jahre wieder ...

Der deutsche Name Weihnachten ist zum ersten Mal in der Einzahl (wihnacht) bei dem Spruchdichter Spervogel (um 1170) belegt. Als christliches Fest der Geburt Christi ist es zum Hauptfest des Jahres geworden und hat damit das vorchristliche Mittwinterfest, auch Julfest genannt, das ursprünglich Mitte Januar gefeiert wurde, abgelöst. Mindestens ein Brauch aber stammt noch immer aus dieser Zeit. Es sind die Umzüge jener finsteren und schrecklichen Gestalten, die mit ihrem Toben böse Geister von Haus und Hof fernhalten und somit Gesundheit und Wachstum im neuen Jahr sicherstellen.

Trotz aller behördlichen Verbote haben sich die Umzüge mit den Perchten und Klöpferle bis in die neueste Zeit erhalten, wobei der Brauch des Anklopfens in jüngster Zeit als Kinderbrauch wieder neue Belebung fand.

Von Haus zu Haus ziehen aber auch Kinder, die vor den Türen Weihnachtslieder singen und dafür redliche Belohnung erhalten.

Guten Abend, guten Abend, wir drücken die Hand
dir Hausvater, dir Hausmutter, in jeglichem Stand!
Wir wünschen euch am Weihnachtsfest ein gutes Jahr
vor allem Unheil hüte euch Gott immerdar!

(Das Lied ist entnommen aus meinem Liederbuch für die Bayerische Volksschule, Unterstufe, 1948)

In vielen Städten werden am Weihnachtsabend von den Kirchtürmen herab nach den vier Himmelsrichtungen je ein Choral geblasen. Zu den festlichen Vorbereitungen gehört das Weihnachtsschlachten und das Backen ebenso wie das Weihnachtsbad. Wenigstens ein neues Kleidungsstück sollte jeder haben. Der alte Brauch, die Häuser mit Lichtern zu zieren, um Haus und Familie im kommenden Jahr zu schützen, ist weit verbreitet. Man holt aber auch grüne und blühende Zweige ins Zimmer oder ziert die Stube mit Tannengrün zur Abwehr schädlicher Dämonen und bereitet das Haus auf den nächtlichen Besuch des Christkindls vor, von dem man sich den Segen erwünscht.

Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind
auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind
kehrt mit seinem Segen, ein in jedes Haus
geht auf allen Wegen, mit uns ein und aus.

Im Mittelpunkt des christlichen Weihnachtsfestes steht der feierliche Gottesdienst, die Christmette. Um Mitternacht während der Mette liest man das Evangelium von der Geburt Christi in einem Stall.

Die Darstellung der Geburtsszene in der Kirche ist das erste Mal gegen Ende des 13. Jh. für Deutschland schriftlich erwähnt. Seit dem 16. Jh. wanderte die Krippe über die Kirche hinaus und wird zur Hauskrippe.

In der Weihenacht Geborene sind stark und gewaltig, glücklich und finden einst einen Schatz, sind geistersichtig, hellsichtig und können die Tiere reden hören.

Von Mutter weiß ich, wie bei ihnen die Kinderbescherung vor hundert Jahren am Hl. Abend, bei dem es nicht so feierlich herging, in Bogenhausen ausgesehen hat. Als sie und ihre Schwestern Hauben kriegten, die nicht passten, liefen sie noch auf d'Nacht nach der Bescherung bis nach Haidhausen zum Mendelssohn um das "Zeug" umzutauschen. Sie erinnerte sich auch noch an den guten Punsch, den es daheim gab und an den kleinen Rausch, den sie davon bekamen. "Wir hatten auch einen Nachbarn", erzählte sie ... "und waren ein Haufen Kinder. Wenn die Christbescherung war, durften wir zum Hönig hinüber, weil sie dort so schöne Spielsachen hatten. Und dann richtete er eine Rein gebackener Guatl her und sagte dabei, in dem er das R im Rachen rollte: 'Des hot's Christkindl de Trinklkinder brocht!' Woraufhin wir jedes Mal lachen mussten."

Hans Lehrer