Brenna tuats!

In seinem Gedicht "Die Glocke" bezeichnet Friedrich Schiller die Macht des Feuers als wohltätig, warnt aber gleichzeitig vor der ungeheueren Kraft des Brandes, der losbricht, wenn sich das Feuer "seiner Fessel entrafft". Das bekamen die Leute vor allem früher zu spüren, als sie noch mit offenem Feuer herumhantierten und das Licht noch nicht aus der elektrischen Glühbirne erstrahlte. Da war es schon gescheiter, wenn man die wichtigen Arbeiten bei Tageslicht verrichtete, es sich zur Gewohnheit machte, noch vor dem ersten Hahnenschrei aufzustehen und sich schon gleich bei Einbruch der Dunkelheit niederzulegen. Petroleumlampen, die Kerze und Kienspan immer mehr zu ersetzen halfen, bedeuteten bald eine große Erleichterung, vor allem im Stall. Die Flamme konnte ja nach gewünschter Stärke und Helligkeit eingestellt werden.

Eine umgefallene Kerze, eine offene Herdstelle bewirkten oft einen Brand, der schnell um sich griff. Aber auch feuchtes Heu im Stadel entzündete sich und äscherte manches Anwesen bis auf die Grundmauern ein. Kein Haus

war vor Blitzschlag sicher, da es früher noch keine Blitzableiter gab. Schlimmer noch und gefährlicher waren die Brandstifter oder Feuerteufel, die aus den unterschiedlichsten Beweggründen Häuser und Höfe in Brand steckten. Es gab auch Anwesensbesitzer, die selbst den "roten Hahn" auf das Dach setzten und sich durch das Feuer einen Vorteil erhofften. So ein Brand konnte sich in Windeseile ausbreiten, waren doch die Dächer meistens mit Stroh eingedeckt und die Häuser teilweise oder ganz aus Holz errichtet. Bei einem Brand galt es zunächst, Menschenleben zu retten. Man versuchte auch schleunigst, das Vieh aus dem Stall zu treiben. Die übrigen Habseligkeiten wurden meist ein Raub der Flammen. Erste Helfer an der Brandstelle bildeten eine Kette und versuchten mit Wasserkübeln den Flammen Herr zu werden. Soweit es schon Feuerwehren gab, war deren Ausrüstung meist einfach und oft unzureichend.

Wie behalfen sich Menschen, um vor Feuersbrunst verschont zu bleiben? Zunächst stellte man sein Haus unter den Schutz Gottes und erflehte Hilfe beim Schutzpatron, dem hl. Florian. Vom Osterfeuer brachte man angekohlte Holzscheite nach Hause und hängte sie unter den Dachstuhl auf, damit Haus und Hof vor Feuer verschont bleiben mögen. Bei Gewitter zündete man rechtzeitig die schwarze Wetterkerze an und begann inständig zu beten. In der Nacht machte der Nachtwächter seine regelmäßigen Rundgänge durch den Ort, rief die Stunden aus und achtete auf Feuerausbrüche. Bald schon bildeten die Bewohner jeder Ortschaft eine "freiwillige Feuerwehr". Es war Ehrensache, dass sich aus jedem Gehöft mindestens ein männliches Mitglied der Familie für Löscharbeiten zur Verfügung stellte. "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur "Wehr" war künftig ihr Leitspruch.

Dass die Feuerwehren nicht nur fremde Brände, sondern auch den "eigenen Brand" zu löschen wissen, gab trotz des traurigen Umstandes Anlass zu manch heiterer Anekdote. Technik und wirksame Brandverhütung haben in unserer heutigen Zeit dazu beigetragen, die Gefahr des Feuers einzudämmen. Trotzdem erhalten wir in regelmäßigen Abständen Meldungen von furchtbaren Brandkatastrophen, die neben Millionenschäden a uch zahlreiche Menschenopfer fordern. Immer häufiger aber hören wir die erschütternde Nachricht, dass ruchlose Mörderhände in Häusern und Wohnungen Brände legen, um bewusst Menschenleben zu vernichten.

Hans Lehrer