Drei Tugenden

Ein Pilger pocht an meine Tür,
mit Augen glänzend hell
und einem Lächeln um den Mund,
ich öffne ihm ganz schnell.

Lass trinken ihn aus meiner Quell’
sie sprudelt tief in mir,
gewähr ihm Rast an meiner Brust,
Dank will ich nicht dafür.

Ein Wunsch nur ist’s, der mich beseelt
und frag’ den frommen Mann,
ob er mir drei der Tugenden
mit Freuden schenken kann.

Der Glaube ist’s, den ich begehr’
ein Lebtag danach such'.
Die Liebe sich in mir vermehr,
begraben sei der Fluch.

Die Hoffnung möge werden stark,
die mich hinüberträgt,
nicht mutlos möchte ich einst sein,
wenn meine Stunde schlägt.

Bis dahin leih’ mir deinen Stab,
du guter Pilgersmann,
zu tragen meine schwere Last,
damit ich frei sein kann.

Hans Lehrer