Der Ehevertrag

Es war nicht immer die große Liebe, die zwei Menschen zueinander finden ließ. Da hatten die Alten schon auch noch ein Wörtl mitzureden, besonders wenn ein Sach da war, das es zu erhalten oder zu vermehren galt. Von einer Braut oder einem Bräutigam, die nichts hatten und “arme Luder” waren, wollte man in den meisten Fällen gar nichts wissen. War man sich aber endlich handelseinig geworden, musste alles seine Richtigkeit haben und bevor geheiratet wurde, gings zum Notar oder Protokollschreiber, der das Ausgehandelte schriftlich in einem Ehevertrag festlegte.

Unter Punkt eins wurde die Mitgift der Braut aufgeführt. Neben etlichen hundert Gulden, die am Hochzeitstag als “wahres Heiratsgut” bar gezahlt wurden, versprach die Braut auch ihre Einrichtung in den Ehestand mitzubringen. Dazu gehörten meistens ein Bett, eine Bettstatt oder ein aufgerichtetes zweischläfriges Bett mit harbenen und rupfenen Überzügen, Kasten, Kommode, Truhe, Fußtruhe, Spinnradl mit Rocken, Wiege, ordentliche Hochzeitskleidung, eine Kuh - oder vielleicht gar ein ganzer Hof.

Zweitens wurde vereinbart, dass der Hochzeiter mit grundherrlicher Bewilligung seinem angehenden Eheweib den Hof anheiratete. Er setzte sie zur Mitbesitzerin ein, die nicht mehr vertrieben werden konnte, falls er nach dem unerforschlichen Willen Gottes vor ihr starb. In diesem Fall wurde sie wahre und einzige Besitzerin. Falls für den Todesfall nichts besonderes vereinbart worden war, sollte das kurbayrische löbliche Landrecht gelten. Ansonsten wurde im Punkt drei des Ehevertrages vereinbart, dass ein paar hundert Gulden Rückfall an die nächste Freundschaft des Verstorbenen anzusetzen waren, für den Fall, dass ein Teil kinderlos starb. Ansonsten musste sich der Überlebende mit den Kindern und Stiefkindern vergleichen. So ist es meist “beschlossen und angelobt” worden. Während in vielen Fällen die Braut mit einem Kreuzl unterschrieb, konnte der Hochzeiter schon sauber und gut leserlich seinen Namen schreiben.

In meiner Familie wurden sämtliche Verträge und andere Dokumente über lange Zeit hinweg in einer Spanschachtel sorgfältig aufbewahrt. Darunter befindet sich auch ein Ehevertrag aus dem Jahr 1766, mit folgendem Inhalt: “Ehebereding -zwischen dem ehrsamen und bescheidenen Hans Georg Keller, weiland Adam Kellers seligen hinterlassener ehelicher lediger Sohn mit der tugendsamen Christina Rauchin, Hans Wöhrles hinterlassener Wittib. Erstlich kommt der Hochzeiter zu seiner Hochzeiterin in ihre Behausung und verspricht ihr, beim Hausen zu helfen, wie es ehrlichen Eheleuten zusteht und weil die Hochzeiterin vier Kinder hat, so will er ihnen ein Vater sein und bringt an barem Geld zugleich einhundert Gulden mit. Doch aber behält sich der Hochzeiter vor, dass wenn in dieser Ehe noch sollten Kinder erzeuget werden, dass der Vorteil auf seine Kinder fallen soll und muss, im übrigen aber sollen die Kinder erster Ehe wie auch letzter Ehe gleiche Erben sein.

2tens verspricht die Hochzeiterin ihrem Hochzeiter, dass wann sie sollte vor ihm absterben, dass er wieder um sich hin darf verheiraten und wohnen im Haus, solange er lebt, sollte aber in vorbeschriebener Heiratsabred etwas vergessen sein, so solle alles nach Brauch und Gewohnheit gehalten werden.

So geschehen den 18ten September 1766.

Mochte der Ehevertrag auch eine gewisse Absicherung sein, so musste der Mörtel für die Ehe in Form von Sparsamkeit, Fleiß und Treue von den Brautleuten selbst geliefert werden, wobei die Liebe mit enthalten war.

Hans Lehrer