Familienwappen

Auf der Handwerksmesse gab es einen Stand, der sich mit der Erforschung und Herstellung von Familienwappen befasste. Wer sich dafür interessierte und seinen Familiennamen nannte, konnte sich innerhalb weniger Minuten sein eigenes Wappen bestimmen lassen.

Um ein Wappen zu besitzen, musste man früher nicht unbedingt adelig sein. Das Recht zur Wappenführung beschränkte sich auch nicht auf andere privilegierte Personen, die einem bestimmten Stand angehörten. Bis auf den heutigen Tag kann sich jeder ein Wappen zulegen und auch nach Belieben verändern, soweit nicht einem früheren Wappenträger desselben Wappens ein Schaden erwächst. Natürlich ist es gut, wenn durch Geburt, Heirat oder Adoption ein Wappen bereits erworben werden konnte oder durch den Landesherrn einst sogar verliehen wurde. Entschließt man sich aber nachträglich zur (Ein-)führung eines Wappens, spielen oft familiäres Bewusstsein, örtliche Gebräuche, persönliche Launen usw. eine wesentliche Rolle. Gegen eine geringe Gebühr kann man es über den Verein “Der Herold” in Berlin, der seit 1922 die “Deutsche Wappenrolle” führt, eintragen lassen. Über die erfolgte Eintragung wird eine Bescheinigung erteilt. Somit soll verhindert werden, dass durch neue Wappen bereits bestehende Wappenrechte verletzt werden.

Wappenwünsche und Wappenentwürfe sollten aber nur nach Beratung durch Sachverständige ausgeführt werden. Damit will man die Tätigkeit der “Schwarzen Schafe” unter den Wappenherstellern unterbinden, die vorgeben, für jede Familie ein Wappen beschaffen zu können und sich dabei auf Wappensammlungen berufen, die es nie gegeben hat.

Wappen (mittelhochdeutsch wapen = Waffen) entwickelten sich aus der ritterlichen Ausrüstung. Hauptbestandteil des Wappens ist der Schild. Daneben schuf der ritterliche Helm, der auch heute noch beinahe jedes Familienwappen ziert, die eigentliche Voraussetzung für die Entstehung des Wappenwesens oder der Heraldik, wie der Fachausdruck dazu heißt. Neben dem als Helmzier verwendeten Federschmuck und der Krone als Rang- und Würdezeichen, erscheinen auf dem unterteilten Schild als Wappenbilder Gegenstände der Natur, der Kunst und des Gebrauchs. Das können Pflanzen, Menschen, Tiere, Werkzeuge, Himmelskörper usw. sein. Sieben Farben finden in der Heraldik Anwendung, von denen zwei (Gold und Silber) als Metalle bezeichnet werden.

Von Generation zu Generation hat sich auch in unserer Familie das Wappen, mit folgender Beschreibung, weitervererbt:

“Als Zeichen ihrer Unerschrockenheit führen sie über dem gekrönten Helm einen Gamsbock, der auch im blauen Feld rechts oben noch einmal abgebildet ist. Links oben im goldenen Feld befindet sich ein schreitender Löwe, der die Todesverachtung ausdrücken soll. Im darunter liegenden schwarzen Feld sind Bücher als geistiges Rüstzeug dargestellt.”

Der bayerische Ausdruck “gewappelt” bezog sich auf Familien mit einem eigenen Wappen. Sie gehörten zu den “Besseren”. Noch heute ist einer gewappelt, wenn er schlagfertig, wortgewandt, raffiniert, durchtrieben, gerissen oder mit allen Wassern gewaschen ist.

Hans Lehrer