Klobenrad

Unter den alten Gerätschaften, deren Gebrauch ich von früher her noch in guter Erinnerung habe, befindet sich auch ein Klobenrad. Mit dieser praktischen Erfindung, die wie ein einfacher, in meinem Physikbuch beschriebener Flaschenzug funktionierte, konnten Lasten hinaufgezogen werden. Lange jedoch musste ich nach diesem Ausdruck, den niemand mehr kannte, suchen und wälzte ohne viel Erfolg mehrere bayerische Wörterbücher, indem ich dachte, es müsse sich hierbei um ein bayerisches Wort handeln, da bei uns daheim nur immer von einem "Glomradl" die Rede war. Erst in einem alten Brockhaus aus dem Jahr 1923, wo der hochdeutsche Ausdruck "Klobenrad" zu lesen war, wurde ich endlich fündig. Seinerzeit wusste noch jeder diese Arbeitserleichterung wohl zu schätzen; denn ohne eine solche Vorrichtung hätte jeder Getreidesack auf der Schulter, hinauf bis auf den "Troadboden" geschleppt werden müssen. So aber ließ man einen Galgen beim Dachgiebel herausragen, befestigte daran dieses Eisenradl, ließ in seiner Rille ein starkes Seil laufen und zog jeden Sack ohne nennenswerte Mühe einzeln hinauf. Als wir unser Häusl bauten und damit jeder Ziegelstein, der ganze Mörtel und das sonstige Baumaterial auf diese Weise hinaufbefördert wurde, erkannte sogar ich schon als kleiner Bub den Nutzen dieses Rades. Kam ich in seine Nähe oder befand mich gar darunter, wurde ich sofort weggejagt; denn es hätte ja leicht sein können, dass mir ein Trumm auf den Kopf gefallen wäre. Einmal aber hat mir der Vater das Seil um den Bauch geschlungen und mich ein Stück hinaufgezogen. Das war eine feine Sache. Als Mutter das Rad einmal an die Verwandtschaft ausgeliehen hatte und es nicht gleich wieder zurückbekam, wurde sie fuchsteufelswild.

Mit der Zeit aber verlor das Klobenrad an Bedeutung. Es verschwand irgendwo in der Versenkung und hatte ausgedient. Moderne Techniken bis hin zum Kran traten an seine Stelle. In den Erzählungen jedoch lebt dieses "Glomradl", das jetzt wie ein Museumsstück auf seinem Ehrenplatz unterm Dach aufgehängt ist, weiter.

Hans Lehrer