Maria Thalheim

Ziel der alljährlichen Trachtenwallfahrt des Isargaus ist Maria Thalheim, eine Wallfahrtskirche in der Ortschaft Thalheim, drei Wegstunden nordöstlich von Erding in einem Tal gelegen. Über den Ursprung dieses Gnadenortes gibt es eine Legende, die sich fortgepflanzt hat von Ahn zum Enkel, von Geschlecht zu Geschlecht. Gerade in unserer heutigen, hochtechnisierten Zeit, wo sich alles dem trockenen Verstand unterzuordnen hat, darf der Glaube an das Wunderbare nicht verloren gehen. Vor allem das jugendliche Herz sollte durch die christlichen Legenden zur Bewunderung und Nacheiferung angeregt werden.

Das Marienbild in der schönen Wallfahrtskirche zu Thalheim, welches auf dem Hochaltar aufgestellt ist und verehrt wird, befand sich ursprünglich zwischen den Ästen eines alten Hollunder- oder Hollerstrauches, und als immer mehr Menschen zur Zeit des Mittelalters das Gnadenbild unserer lieben Frau aufsuchten, entschlossen sich die Bewohner von Thalheim und der nächsten Umgebung, auf einem naheliegenden Berg, von wo aus man die ganze Gegend übersieht, zu Ehren der heiligen Jungfrau ein Kirchlein zu erbauen. Als man aber, so erzählt die Sage, das wundertätige Marienbild vom Hollunderbaum, auf dem es bisher gestanden hatte, entfernte und in das neuerbaute Gotteshaus brachte, verschwand es über Nacht ohne alles menschliche Zutun und wurde am Morgen an seinem alten Platz, auf dem Baum, wieder gefunden. Dieses Ereignis soll sich so oft wiederholt haben, als die Leute es immer wieder versuchten, das Bild zu versetzen, bis sie es endlich als ein Zeichen ansahen, dass die heilige Jungfrau Maria ihr Bildnis nicht von dem Ort entfernt wissen wolle, wo durch ihre Fürbitten bisher schon so viele Gebete erhört und so viele Gnaden gespendet worden sind. So wurde denn das neuerbaute Kirchlein wieder abgetragen und unweit des Hollunderbaumes unten im Tal eine Kirche gebaut. Als aber immer mehr Wallfahrer zur Gottesmutter kamen, wurde auch dieses Kirchlein zu klein, so dass man in der darauffolgenden Zeit eine größere und letztendlich die gegenwärtige Wallfahrtskirche zu Thalheim mit vielen Kosten erbaute. Anno 1645 konnte das berühmte uralte Marienbild dorthin übertragen werden.

Den Hollerstrauch gibt es heute noch und steht an der Nordseite der Kirche. Was jedoch durchaus als Wunder betrachtet werden kann ist seine Eigenart, dass er im Herbst Beeren trägt, ohne im Frühjahr zu blühen.

Hans Lehrer