Petri Stuhlfest

Der Faschings Sonntag fällt heuer auf den 22. Februar. Ganz groß wird er im Kalender angekündigt, dass fast kein Platz mehr bleibt für den Heiligen an diesem Tag, der kein geringerer ist als der Heilige Petrus und sein Stuhlfest feiert. "Cathedra Petri" nennen es die Lateiner und das Fest soll an die Übertragung des Primats an Petrus erinnern. Fröhlich und volkstümlich geht es in vielen Gegenden zu, und der große Narrentag kommt dabei wie gerufen. Protestanten haben mit der Bezeichnung des Tages allerdings nichts Rechtes anzufangen gewusst. Ganz so ist es aber nicht, dass Petrus wie Doktor Martin Luther ein Examen ablegen musste und es vor einem Prüfer bestand, der auf einem Stuhl saß. Vielmehr basiert die Stuhlfeier auf einem legendären Ereignis in Antiochia, dem heutigen Antakya in der Türkei, wonach der Statthalter Theophilus den Petrus ins Gefängnis werfen ließ. Paulus bot Theophilus seine Dienste als Künstler in allerlei Handwerk an und erreichte, dass Petrus zur Probe frei gelassen wurde, worauf er den längst verstorbenen Sohn des Theophilus wieder zum Leben erweckte. Theophilus bekehrte sich und setzte Petrus "auf einen hohen Stuhl", damit alle ihn sehen und sein Wort hören sollten. Petrus blieb danach sieben Jahre lang als Bischof in Antiochia.

Der 22. Februar gilt als Frühlingsanfang. Vielerorts findet Todaustragen mit Verbrennung einer Strohpuppe statt. In Oberbayerischen und Tiroler Orten wird das sogenannte Lenzwecken mit Schellen und Kuhglocken veranstaltet. Die Quellen erwachen zu neuem Leben, und es entsteht in ihnen ein eigentümliches Klingen und Brausen. Nach Petri Stuhlfest schmilzt das Eis. Wenn's aber an diesem Tag friert, so wird es noch 14 Tage frieren oder gar 40 Tage. Das Abendessen bei Licht hört nun auf. Die Feldarbeit tritt wieder mehr in den Vordergrund. An Petri Stuhlfest aber reinige ich meinen Hühnerstall, wenn nicht Läuse hineinkommen sollen und richte das Brutnest der Hü hner her.

Hans Lehrer