Wer liegt wo?

Auf Weihnachten bekam ich ein Buch geschenkt, mit dem Titel: "Letzte Heimat" von Erich Scheibmayr. Es berichtet über Persönlichkeiten in Münchner Friedhöfen von 1784 - 1984. Schon wieder ein Buch dachte ich insgeheim, das ins Bücherregal wandert und darauf wartet, irgendwann einmal gelesen zu werden.

Neugierig geworden, ob auch mein berühmter Vorfahre drin steht, der im Alten Südlichen Friedhof einst seine letzte Ruhestätte gefunden hat, begann ich dennoch bald im Buch zu blättern und stieß dabei auf so viele interessante Tatsachen, die mir ganz neu waren.

Unser größter Münchner Friedhof ist der Waldfriedhof, der in einen mächtigen Fichtenwald eingebettet ist und mit 163 ha riesige Ausmaße hat. Die erste Beerdigung im heutigen Alten Teil konnte 1907 erfolgen. Inzwischen gibt es dort 35 000 Grabplätze. Im neuen Teil kommen noch einmal 24 000 hinzu. Hier liegt die beliebte Volksschauspielerin Elise Aulinger (1881-1965) begraben. Unvergesslich sind ihre Lesungen der Heiligen Nacht von Ludwig Thoma. Lena Christ (1881-1920), wohl die beste bayerische Heimatschriftstellerin, fand hier, nach einem unruhigen Leben, ihre letzte Ruhestätte ebenso wie August Schichtl (1851-1911), der auf dem Oktoberfest durch seine "Enthauptung einer lebenden Person auf offener Bühne" Berühmtheit erlangte. Hier hat auch die "Ratschkathl" Ida Schumacher (1894-1965) ihr Grab. Der Name Josef Maria Lutz (1893-1972), von dem das Stück "Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies" stammt, ist auf einem der Grabsteine zu lesen.

Bereits 1894 konnte von der damaligen Gemeinde Schwabing der älteste Teil des Nordfriedhofs angelegt werden, der 1890 von der Stadt München übernommen wurde. Nach neun Erweiterungen befinden sich dort 34 300 Grabstellen. Der berühmte Maler aus Südtirol, Franz von Defregger (1835-1921), hat hier seine endgültige Bleibe gefunden. Die "Schönheitskönigin von Schneizlreuth" Agnes Pauline, gen. Bally Prell (1922-1982) wurde in diesem Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.

Noch älter ist der Ostfriedhof, den die Gemeinde Au bereits 1821 errichten ließ. Sein heutiges Gesicht erhielt er in den Jahren 1894 bis 1900. Etwa 34 700 Grabplätze, ohne die Gräber im Bereich des Krematoriums, bestehen dort. Gleich an der westlichen Mauer fand Dr. Bernhard von Gudden (1824-1886), der unseren König mit auf dem Gewissen hat, hoffentlich seinen letzten Frieden. Hier hat auch der Eringer Sepp (1873-1931) ein letztes Ruheplatzerl, nachdem er viele Jahre lang zusammen mit dem Weiß Ferdl das "Platzl" in München geleitet hatte. Mit seinem Vortrag "Der Münchner im Himmel" hat er die Leute zum Lachen gebracht. Gemeint ist der hier begrabene und unvergessliche Adolf Gondrell (1902-1954). Sicher schaut er als "Engel Aloisius" auf sein geliebtes München ab und zu herunter. Zu seinen Lebzeiten lupfte der Steyrer Hans (1849-1906) in seiner Gastwirtschaft "Tegernseer Garten" in Obergiesing mit nur einem Finger einen 508 Pfund schweren Stein an einem Eisenring in die Höhe. Heute liegt auch er im Ostfriedhof drin. Ich meine natürlich den Hans und nicht den Stein. Der "alte Filmhase" Joe Stöckel (1894-1959) und der Volksschauspieler Wastl Witt (1882-1955) warten hier ebenfalls auf ihre Auferstehung.

Im Westfriedhof, der 1898 eröffnet wurde und heute an die 40.000 Grabplätze hat, ist vor allem Michl Ehbauer (1899-1964), der sich durch seine humoristische "Bayerische Weltgeschicht" einen unsterblichen Namen gemacht hat, erwähnenswert. Leider wurde im selben Friedhof das Grab der bekannten Maler Hermann und Wilhelm Lindenschmitt, welche die Sendlinger Bauernschlacht auf einem Fresko an der Außenwand der alten Sendlinger Kirche festgehalten haben, bereits 1968 aufgelassen.

Will aber jemand wissen, welche Persönlichkeiten in den Friedhöfen von Bogenhausen, Haidhausen, Sendling, Solln, Neuhausen ... oder gar im Alten Südlichen Friedhof liegen, dem empfehle ich das eingangs erwähnte Buch zum eifrigen Studium und hin und wieder einen Grabbesuch.

Hans Lehrer