Gesichter

Gesichter sind’s in die ich blicke,
so lang’ ich leb’ auf dieser Welt,
gar viele sind mir wohlgesonnen,
weil ihnen mein Gesicht gefällt.

Auch ich möcht’ in Gesichtern lesen,
was hinter ihnen sich verbirgt,
wie sehr der Ausdruck und ihr Wesen,
auf mein Gemüt sich ausgewirkt.

Gesichter, die vor Neid erblassen,
vor lauter Freude nur so sprühn,
man nicht umhin kann sie zu hassen,
das Interesse auf sich zieh’n,

Gesichter, glatt und ohne Falten,
gebräunt vom vielen Sonnenschein,
zerfurcht wie tiefe Gletscherspalten,
begegnen mir tagaus tagein.

Und zwei Gesichter hat das Leben,
die Trauer und die Fröhlichkeit,
in beide will ich gerne blicken,
weil Gott sein Antlitz darin zeigt.

Hans Lehrer
21.7.2005