Im Regenbogenland

Dem Ehejoch bin ich entronnen
und spür’ der Freiheit hehren Drang,
die Götter sind mir wohlgesonnen,
auf meines Lebens weitrem Gang.

Ich muss das Haupt nun nicht mehr beugen,
verzichte auf des Frondienst Lohn,
such’ länger nicht nach einem Zeugen,
dass meine Unschuld er beton’.

Zerschneide alle Liebesbande
und find’ zurück zum eignen Ich,
häng an den Nagel mein Gewande,
das mich einst schmückte äußerlich.

Und wie der Vogel möcht’ ich schweben,
so schwerelos und ohne Not,
die Erde aus der Luft erleben,
wie sie sich färbt in dunkles Rot.

Dem Strahl der Sonne will ich folgen,
bis ich erreicht des Ufers Strand
und weiterziehen mit den Wolken,
bis in das Regenbogenland.

Hans Lehrer