Es war einmal ...

Mit diesem bedeutsamen Satz beginnen die meisten Märchen, von denen einige auch in unserem Lesebuch für das 3. und 4. Schuljahr standen. Als Kind regten sie meine Fantasie an, versetzten mich zuweilen in Angst und Schrecken und ließen mich am Ende dennoch an das Gute im Leben glauben. Besonders über das Märchen, mit der Überschrift “Hans im Glück” machte ich mir ein Leben lang Gedanken; denn ich konnte nicht verstehen, dass ein Mensch wie dieser Hans, der immer mehr von seinem Reichtum verlor, weil er stets seinen Gefühlen nachgab und nie seinen Verstand zu benutzen schien, sich trotzdem im Glück befinden sollte.

Für mich war er lange Zeit nur ein dummer Kerl, der sich von den Leuten hereinlegen lässt und trotzdem nie über sein schlechtes Tauschgeschäft jammert sondern mit dem zufrieden ist, was er gerade hat; allerdings nur für kurze Zeit. Ich wollte seinem Glück auf die Spur kommen und bin darüber alt und grau geworden. Doch plötzlich entdeckte ich Gemeinsamkeiten zwischen jenem Hans aus dem Märchen und mir.

Auch mein Startkapital im Leben hätte ein Goldklumpen sein können, den ich für ein “Pferd” eintauschte, um auf seinem Rücken “frank und frei” die Welt kennen zulernen.

Auf seiner Reise ist Hans des Öfteren abgeworfen worden und tauscht das Pferd schließlich gegen eine Kuh ein, die ihn mit Milch, Butter und Käse versorgt und ihm ein geborgenes Leben beschert. Da er sich beim Melken aber ungeschickt anstellt, verliert er allmählich die Lust und interessiert sich für ein junges Schwein, das anders schmeckt und dessen Fleisch viel saftiger ist. Wieder winkt ein “vorteilhaftes” Tauschgeschäft mit einer Gans, die mit einem guten Braten, einer Menge von Fett und den weißen Federn sein Leben angenehm und gemütlich machen soll. Er bringt es aber nicht übers Herz, sie zu schlachten und begnügt sich schließlich mit einem Wetzstein, mit dem er als Schleifer, der Geld hat, so oft er in die Tasche greift, zum glücklichsten Mensch auf Erden werden will.

Es wurde Abend, und Hans konnte nur mit Mühe weitergehen. Er hatte Durst. Der Stein drückte ihn ganz erbärmlich und plumpste schließlich in einen Brunnen, als er beim Trinken ein klein wenig daran stieß.

Jetzt sprang er vor Freuden auf, kniete nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und ihn auf eine so gute Art und ohne dass er sich einen Vorwurf zu machen brauchte, auch von dem Stein befreit hatte, der ihm am Ende seiner Wanderschaft doch wohl nur hinderlich gewesen wäre.

Hans hat gelernt, von allen irdischen Dingen loszulassen, und mit leichtem Herzen und frei von aller Last treten wir beide den Heimweg an.

Hans Lehrer