Erzählung von meiner Kindheit bis zum heutigen Tage

Ich bin geb. am 24. Oktob.r 1866 zu Mainburg in Niederbayern als Kind der Zimmermannseheleute Johann und Anna Trinkl, ich heiße Paul.

Meine Eltern hatten zu anfang in Mainburg ein kleines Häushen ich kan mich an daselbe noch ganz gut erinnern, es war am unteren ausgang des Marktes, mein Vater ging seinem Handwerk nach und meine Mutter führte den Haushalt, es waren für uns solche Zeiten daß ich sagen muß die Noht war zur rechten Zeit eingekehrt, als ich zum Denken anfing waren uns schon vier Kinder und sehr oft kam es vor daß mein Vater keine arbeit hatte, und nichts verdient wurde, kein Geld im Hause kein Brod im Schübladen und sonstiges fehlte zur rechten Zeit, schon mit fünf Jahren mußte ich mit meiner Mutter in den Betel gehen um etliche stücklein Brod nach Hause zu bringen, ich war das älteste Kind, mich traff schon das harte Los, man kan sich denken wen der Vater keine arbeit u. keinen Verdienst hat, daß diese Stücklein Brod bald wieder aufgegeßen waren daß es da wieder von vornherein heist den Bettelstab in die Hand zu nehmen und das gleiche Schicksal zu verfolgen. Ich kam im Jahre 1872 in die Schule mein erster Lehrer war Herr Lehrer Wendler, ich hatte sehr viele Schullehrer in meiner ganzen Schulzeit das sind nämlich Härten für ein Kind, es würd in den folgenden Zeilen hervorgehen wo ich meine Schuljugend zubrachte und ich alles erleben mußte.


Ansicht Mainburg

Schon war ich um ein Jahr älter, auch die Sorgen und die Noht wurde immer stärker, wir Kinder wurden größer und wuchsen heran, bräuchten immer mehr zu eßen, Kleidung, Wäsche, Betten und Schuhe, alles das brachte immer größere Sorgen u. Kummer, schon kam die Zeit daß ich und meine um ein Jahr jüngere Schwester Katharina alleinig in den Bettel gehen mußten und zwar zweimal in der Woche in den Schullfreien Tagen, Mitwoch und Samstag nachmitag, den der Verdienst von meinem Vater reicht niemals wenn Er arbeit hatte, oft im Sommer gab es wenig arbeit in der Zimmerei, weil oft sehr wenig oder gar nichts gebaut wurde, es gab etwas zum Holzhauen oder Teichenbohren (Teuchelbohren) für die Waßerleitung, den zur selben Zeit bestand die Waßerleitung aus Holz ebenso alle Brunnen, ganz gut habe ich noch im Gedächtniß was es für Verdienste im Winter gab, sehr spärlich war Er, Besenbinden, da mußte ich auch zur rechten Zeit dazu helfen, es war wirklich armselig, 70 kr für ein Dutzend, und da mußte man großes glück haben wen man sie verkaufen konte, man sagt heute von den guten alten Zeiten, ja gut waren die Zeiten schon wer etwas hatte, den nicht lange dauerte es dan mußten meine Eltern vor Schulden ihr Haus verlaßen und in Logiehäusern wohnen, es gab damals keine Arbeitslosenunterstützung wie heute, nicht einen einzigen Pfenig, nur was man sich betellt, an einem Schulfreien Tag gingen ich und meine Schwester K. die Mühlen aufwärts und nach Aufhausen um etliche Stückl Brod nach Hause zu bringen, es war eine schwere aufgabe für mich, den meine Schwester war sehr furchtsam und ängstlich, war irgend ein Hund ob groß oder klein, oder Gänse alle diese Dinger hat sie geforchten, sie hatte sich an mich geklammert daß ich oft nicht mehr einen Schritt vorwärts kommen konnte, es war einmal an einem schönen Frühlingstage als wir beide die Mühlen aufwärts und eine nach der anderen mit einem Vaterunser beehrten, nathürlich gingen wir zu zweit weil zwei Vaterunser zwei Stückhen Brod geben, und da mußte man oft über Stiegel und Stege, oben bei der Grabmühle führte ein sehr schmaller Steg über die (Abends) heist dieses Waßer es waren nur zwei vom Zimmermann gehackte Hölzer, das Geländer war so hoch daß wir zwei kleine Knirpse es nicht mit den Händen nicht erreichen konnten, tritt für tritt, einander die Hände reichend, wollen wir den hiniber, mein Schwesterchen zitterte am ganzen Leibe ich war sechs Jahre meine Schwester fünf Jahre über die Hälfte von dem Steg war mühsam zurückgelegt, dan kam das Unglück meine Schwester viel mir in das Waßer, der Steg war etwas außer dem Mühlschuß wo das Waßer noch sehr stark strömte, Sie war wie vom Schutzengel hoch gehalten und schwam schon vom Wasser fortgetrüben dahin, und ich erschrocken aufs tiefste kroch mit meinem Körbchen und etliche Stückhen Brod den Rest des Steges hinüber eilte in die Mühle um Hilfe ich weinte und schrie was ich aus mir brachte und teilte der Mühlerin mein großes Unglück mit, schnell kam die Mühlerin mit zwei Mühlburschen und lauften meinem Schwesterchen nach welche schon nahe am ertrinken war stürzten sich ins Waßer u. befreiten die Unglückliche vom Tode des ertrinkens u. brachten sie in die warme Mühlstube. Die gutherzige Mühlerin zog ihr die Kleider aus trocknette dieselben gab ihr etwas warme Milch zum trinken u. gar bald haben wir uns von dem Schrecken erhollt u. trockenen Fußes gingen wir noch nach Aufhausen, da waren noch etliche Bauernhöfe damit wir trotz dem Unglück unsere Stückzahl an Brod nach Hause brachten, als wir spät abends nach Hause kamen u. es der Mutter erzählten war diese ganz bestürzt über das geschehene, Sie warnte uns eindringlichst für die Zukunft sobald sie sich von seinem Schrecken erhollt hatte, dan im Herbst 1872 auf Martini kamen meine Eltern nach Attenhofen als Dorfhirte, da hieß es schon mit verdienen helfen fürs Tägliche Brod, ich mußte nathürlich auch leisten was zu leisten war weil allmeine Geschwister noch kleiner waren als ich, jeden Morgen wurden schon das Kleinvieh Schweine, Schafe u. Ziegen ausgetrieben ein Geißbockhorn zum blasen (Zeichen geben) an eine Schnur gehängt, eine Geisel war meine Rüstung, das blasen mit dem Geißbockhorn bedeuten das Zeichen, daß die Bauern das Vieh aus dem Stahle zur Straße treiben und der Hirt trieb dan das Vieh durch die Straßen des Dorfes auf das Feld u. zu den Weiden, den es war damals nicht so wie heute, daß die ganzen Felder angebaut wurden wie heute, damals gab es Winter, Sommer u. Brachfelder, das Brachfeld diente den Sommer über als Viehweide, auch ist damit gemeint, das Feld muß ein Freijahr haben damit es ausruhen kan, im Herbst wurde dan gedüngt zum anbauen von Weizen und Winterroggen, dieses Vieh austreiben gescha schon immer vor der Schule da hatte ich auch schon meine Schultasche umgehängt, den das Dorf war ziemlich groß und mußte wen mein Vater mit den Viehern auf dem Felde war gleich in die Schule gehen, auch meine Mutter mußte bei jedem austreiben dabei behilflich sein Sie ging dan ebenso wieder nach Hause zu seiner Arbeit u. zu seinen Kindern, damals waren unser schon fünf, wo dan das jüngste gestorben ist, dan am Nach mitag nach der Schule mußte ich dan gleich wieder auf das Feld u. meinem Vater helfen bis zum eintreiben, es war für mich sehr oft eine Härte wen man beim schlechtesten Wetter draußen stehen mußte durch u. durch naß u. ganz erfrohren war, andere Kinder in der warmen Stube saßen u. womöglich etwas warmes zu essen hatten, während ich draußen auf dem Felde all dieß entbehren mußte, kurz um ich war immer der ältere u. mußte überall am ersten in allen eingreifen bei der Arbeit, u. so verging das Jahr 1873, den um Martini ist für die Hirten das Jahr aus, auch den alten Brauch ließen ich u. meine um ein Jahr jüngere Schwester nicht so vorübergehen denn unsere Küchl Brod u. auch ein Stück Fleisch gab es manchmal was wir uns am Abend vor dem Martinitag hollten, um dieses zu erreichen gab es einen besonderen Spruch der hieß nämlich

Hur raus Hor raus
heut is mei Johr aus
morgen treib i nimma aus
gema zum Thor hinaus
steht da Peta und da Pauli draußt
da Peta mitn Schließl
da Pauli mit da Drischl
heut is a Rachnacht
d Wehr hot Sau bracht
unsers Herrn Trama
rumbelt hinta Kamma
rumbelt d Stiegn auf u. ob
bricht se a Füßl ob
s Füßl her i kracha
Küchi hant scho bacha
Null raus
Küchi raus
oda i schlog eng
a Loch ins Haus.

Schon als der Spruch zu ende war erfolgt die oben genannte Gabe, dan ging es zum nächsten Bauern mit der gleichen Art u. so wurde einer nach dem andern erledigt, u. als wir dann ganz fertig wahren, war auch unser Korb gehörig gefüllt was uns Kindern eine große Freude macht ebenso den Vater u. der Mutter als wir daheim ankamen, neugierig wurde da der Korb gemustert u. manches weiße Stücklein Brod kam zum Vorschein welches von den neugirigen extra bevorzuckt wurde. Das Jahr war vorüber meine Eltern kamen mit ihren Kindern wieder nach Mainburg dort blieb ich dan bis zum Frühjahr 1874 dan kam ich nach Königsfeld zu meinem Onkel und Tante welche keine Kinder hatten, sie hatten 3 Kühe 2 oder 3 Schweine Hühner ungefähr 12 Tagwerk Felder u. Wiesen auch etwas Hopfenbau, der Onkel war Maurer von Beruf, er arbeitet meistens in seinem Geschäft seine Feldarbeiten verrichtete er größtentheils nach Feuerabend bei ihm ging s früh u. spät, kein anfang und kein ende. Er war ein fleißiger u. geschickter Arbeiter nur hatte er sich imer zuviel auferlegt, ich mußte da mit meiner Tante (Basl genant) die häuslichen u. Feldarbeiten verrichten helfen was in meinen Kräften stand u. so erlernte ich auch schon in meinen Kinderjahren fast alle Landwirtschaftlichen Arbeiten ich war ja auf manche Arbeit ganz hastig obwohl ich noch so schwächlich war, zum Beispiel (Treschen) da hab ich meinen Onkel geplagt bis dort hinaus, bis Er mir doch eine Drischel gemacht hatte, dan ging das Handwerk los zu drit Veter Base u. ich, kein Holzboden sondern Lehmboden das ging schwer für einen achtjährigen Lehrling es hatte mich furchtbar gefreut daß ich auch schon zu dritt mittappen konnte, als ich dan mit der provisorischen Drischel das Handwerk erlernt hatte, bekam ich eine würkliche vom Fachman ferfertigte Drischel die war noch schwerer als die erstgenannte da hieß es schon furchtbar plagen, aber das war noch nicht alles, schon mußte ich jeden Tag um 4 Uhr auf, dann kam die Reue hätte ich nur das verfluxte Dreschen nicht gelernt, aber es half nichts mehr u. ich mußte mich schon mit meiner neugirde zufrieden geben u. so ging eins ums andere die Basl wußte mich schon rum zugriegen durch verschiedenes Versprechen du bekommst das u. das u.s.w. beim Hopfen zupfen mußte ich auch viel nächtliche Zeit für diese Arbeit opfern, erst dan spät abends kam dan das Gebet den Veter und Basl waren sehr christlich ein zwei Vaterunser gingen aber dan war das ganz vergebens eins ums andere schlief ein u. ich war oft nur noch der einzig amtirende ich hab halt dan selbst aufgehört, bis dan wieder eins von den beiden wach wurde, sofort machte dann der zuerst erwachte dem andern Vorwürfe, /sie Eva er Michael/ ja Michi daßt allerweil schlafst oder umgekehrt, beide sind wieder wach u. schon im nächsten Moment hatte beide das gleiche Schicksal ereilt u. dann nach einigem hin und herschlaffen wurde das Kreuzzeichen gemacht u. schluß für denselben Abend. Daß ich wieder auf das Arbeiten und Dreschen zurück komme, habe ich noch manches anzudeuten meine Basl war nämlich überall sehr genau u. so kam es auch, daß ich von meinem Lehrer zurede gestellt wurde wan ich zu spät in die Schule kam, ich kam dann mit der entschuldigung, ja ich mußte noch dieß und daß arbeiten, den die Arbeit wurde eher immer zuviel als zuwenig ich mußte auskehren, abspülen, ausrüren/Butter machen/Holz reintragen u.s.w. mach nur schnell daß fertig würst dan kannst in die Schule gehen wenn sie nur noch ein paar Minuten abzwacken konnte dann war es Ihr lieber damit ja keine Zeit verschleidert wurde, das gleiche war bei Ihr der Fall wan sie zur Kirche ging, wurde erst auf dem Wege angezogen u. dieß und jenes Kleidungsstück in Ordnung gebracht, wie gesagt jeder Tag war zu kurz, das Sprichwort heißt woll Bete und arbeite, aber es blieb nur mehr ein Schlafgebet, wie gesagt Kinderherzen hatten sie nicht es wurde nur mehr gerackert und geschunden es ist mir auch nicht zum besten gegangen den sie hatten nicht das Empfinden wie eine Mutter hatte, aber was blieb meiner Mutter übrig. Sie war gezwungen daß sie einen vom Essen wegbringt weil die Not zu groß war und das Eßen für so viele hart zu erschwüngen war und dachte sich es ist dann doch einer bei meiner Schwester untergebracht. Königsfeld war eine kleine Pfarrei u. Gemeinde, es blieben doch viele Sorgen erspart aber es war nur von einer zweijährigen Dauer, damit ich noch weiter erzähle, es ist uns dan der Lehrer gestorben. Er war ein junger Mann aber immer kränklich dan waren wir längere Zeit ohne Lehrer. Es übernahm dan der Pfarrer die Schule was auch nicht in die länge ging dan mußten wir Kinder längere Zeit nach Feilenbach eine gute viertelstunde von Königsfeld entfernt bis daß wir wieder einen Lehrer hatten, auch mit dem Schulgehen hatte es seine Mucken, daßt aber gleich heimgehst Bai (Paul) diese und jene Arbeit ist da, schon wie oben erwähnt das ganze war nur Arbeit, es ist auch noch anderes vorgekommen, meine Tante ging einmal fort hinaus in das Feld und gab mir den Auftrag auf die Hüner recht obacht zu geben damit der Vogel nicht eine fängt und verzehrt, wie es halt die Buben machen bin eilig zu meinem Nachbarsbuben gelaufen, hab mich etwas aufgehalten ging dan gleich wieder heim um nachschau zu halten ob die Hüner noch in Ordnung sind, u. wirklich war der Vogel da (Hünerhabicht) Er hatte gerade eine Henne gefangen und wollte sie verzehren. Er hatte schon ein großes Loch in deren Körper gehackt husch wollte er die Henne mitnehmen, aber es ging nicht sie war im zu schwer, es war nämlich das letzte u. äußerste Anwesen im Dorf u. da hatte dieser Vogel zur rechten Zeit nach schau gehalten hauptsächlich im Winter da mußte gar manche Henne daran glauben, ein Fleißbilet habe ich natürlich nicht erhalten, es kam dann der Winter 1875 - 1876 dan kam ich zu meiner Mutter wieder nach Hause in der Zwischenzeit da ich zwei Jahre fort war, waren dan meine Eltern im Armenhaus Mainburg ich war dan bis zum Mai 76 in Mainburg ging auch dort in die Schule und kam dann in die Axmühle als Gänsebub dan war ich wieder zufrieden den daheim war es mir arg weil nur immer Not und Elend zuhause waren gleich hieß es immer wieder Beteln u das war mir mein ärgstes, es ging nämlich nicht anders den die Familie ist inzwischen auf 6 Kinder angewachsen, auf meinem neuen Platz ging es mir gut, etwas beßeres hätte ich mir nicht gewünscht, mein Vater machte mir dan ein kleines Wägelchen mit zwei Räder da mußte ich fast jeden Tag ein kleines Fäßchen Bier beim Koppbräu in Mainburg holen direkt vom Lagerkeller weg da hab ich auch vom Herrn Bräumeister hi und da einen frischen schluck bekommen das war die größte Freude für mich, wie gesagt ich war sehr gerne bei diesen Leuten, in die Schule mußte ich nach Lindkirchen gehen, bis zur Verkanz war nur eine halbe Schule, auch einen Lohn hatte meine Mutter gedungen sieben Gulden ein paar Schuhe ein Schurz u. ein Hemd, Dienstboten waren keine da, es waren sieben Söhne und einer Tochter der ältere Franz hatte das ganze über sich einer war Obermüller einer Handknecht die anderen waren mit Landwirtschaft beschäftigt ein paar waren meistens als Müller in Stellung Mutter und Tochter waren im Haus auch zwei Stalmägde waren noch da die ich bald vergessen hätte, wenn dan nach der Erntezeit die Felder u. Wiesen abgeräumt waren dan bräuchten die Gänse nicht mehr so hüten da durfte ich dan bei allen Arbeiten dazuhelfen das tat ich sehr gerne, ich war in der Mühle auf dem Sägwerk auch Lohstampfen waren eingericht, es wurde Eichen und Fichtenloh gestampft für die Gerber überall in diesen Arbeiten habe ich gerne mitgeholfen am Sägewerk wie in der Mühle habe ich gerne zugeholfen dan wieder auf dem Felde im Hopfengarten auch mit den Pferden durfte ich nachfahren zum Klee heimfahren oder Heu einfahren alle diese Arbeiten habe ich mit größter Freude gemacht, aber einmal wäre mir das Fuhrwerk bald zum Verhängnis geworden, ich mußte hinausfahren auf den Hopfengarten um Hopfen zu hollen, es war damals so üblich, dass auf den Wagen von Weiden geflochtene in Form des Wagens man nannte sie Fuhrkrätzen sie wurden auf den Wagen gelegt, damit die Hopfendolden nicht verloren gingen. Ich fuhr mit meinen Pferden so dahin, lehnte mich nach vorne an den Fuhrkrätzen dieser schnapte nach vorn über ich kam mit dem Kopf auf den hinteren Theil der Deichsel zu liegen konte weder nach vorn noch nach hinten, rückwärts nicht weil die Füße am Fuhrkrätzen anstanden nach vorne nicht weil ich dan unter den Wagen zu fallen käme, ich schreite immer ö ö aber die Pferde blieben nicht stehen sondern gingen ihren Paß weiter, endlich habe ich mich doch so auf der Deichsel vorgearbeitet daß ich mit den Füßen auf den Boden kommen konnte u. die Pferde zum stehen brachte aber Todesängste mußte ich ausstehen bis ich wieder die richtige Stellung auf meinem Wagen bekam den es hätte sehr leicht sein können, dass ich unter den Wagen zu fallen kam u. der Wagen wäre über mich hinweggegangen u. in aller kürzester Zeit wäre ich Tod oder ein Krippel gewesen, aber mein Schutzengel hatte mich nicht verlaßen und ich kam am Hopfengarten glücklich an u. auch nach Hause. Am ärgsten war mir immer wenn ich am kleinen Tisch eßen u. im einzelnen Bett schlafen hab müssen ich hatte ein eigenes Zimmer u. ein gutes Bett ich wollte nämlich bei den zwei Söhnen Johann u. Karl schlaffen, die haben ihr Bett im Pferdestahl gehabt da hatte es gestunken u. geraßelt das Bett war feucht und schwer aber gerade da wäre es gut gewesen ebenso war es beim eßen am kleinen Tisch aß die Tochter Anna und die Mühlerin, das eßen war das gleiche eher beßer als auf dem großen Tisch da hab ich immer so auf den großen Tisch hinübergelurt u. mein heimlicher Gedanke war wen nur auch da drüben sein dürfte, es ging eine Weile so fort, dann endlich habe ich mein Ziel erreicht u. ich durfte beim großen Hauffen sein, auch durfte ich manchmal im Pferdestall schlafen bei den zwei Söhnen Karl und Johann. Daß abends wenn Feierabend war haben wir dan im Sommer im Mühlschuß gebadet das war herrlich oder wir haben mit den Sägbäumen gespielt, das war so, die Sägbäume lagen oberhalb dem Sägwerk im Waßer fast einer neben dem anderen da hüpften die zwei jüngeren Söhne auf den Sägbäumen von einem Ufer auf das andere u. wieder retour das machte uns den schönsten Spaß ich war damals noch nicht ganz zehn Jahre alt konnte nämlich dieses Spiel noch nicht so gut wie die andern, eines Tages in einem aleinigen Augenblick machte ich dieses Spiel für mich alleinig kam auch auf den einfahl nicht immer quer von einem Ufer auf das andere sondern auf einem Baum der länge nach spazieren gehen u. als ich diese Kunst so alleinig machte fast am Ende angelangt da drehte sich der Baum auch ich lag im Wasser 2 mtr. tief, zum größten Glück konte ich das Ende vom Baumes erwischen damit ich etwas halt bekam schreien konnte ich nicht weil ich so tief im Waßer steckte daß mir theilweise das Waßer in den Mund lief meine Gedanken waren nur mehr jetzt mußt ertrinken den meine Kräfte waren so erschöpft daß ich schon jeden Augenblick den Stam auslaßen mußte, per Zufall kam der Obermüller aus der Mühltüre schaute so über das Waßer erblückte in meiner schauerlichen Lage nahm schnell ein Stück Latte, kam daher gelaufen und reichte mir dieselbe noch ehe ich unterging u. befreite mich den nassem Elemente, es läßt sich denken, was für ein Gesicht ich gemacht habe u. über mein thun und treiben nachdachte. Es war mir gerade nicht so einerlei - so verging nun der Sommer der Herbst naht heran und es kam Martini und muß vom guten wieder ins schlechte wandern ich muß den guten Platz verlaßen muß wieder das Blashorn umhängen u. die Hirtenpeitsche in die Hand nehmen u. den Schweinen und Schafen nachlaufen bis zur Periode. - - Heute ist der Martinitag es kamen die Bauern von Zebrantshausen mit ihren Fuhrwerken wiederum mußten meine Eltern den Hirtenstab in die Hand nehmen. Ihre Sachen aufladen u. dahin gings ich mußte meinen guten Dienstplatz aufgeben und mich ebenfalls an dem kommenden beteiligen, ich kann mich noch ganz genau erinnern es hatte damals auf Martini schon Schnee, es folgte aber dan ein gelinder Winter, schon in der früh ging s hinaus auf die Straße mit Peitsche und Geisbockhorn u. gab das Signal, du, du, du, dutou, du, du. Das ist das Zeichen, daß die Bauern Ihre Vieher aus dem Stall laßen u. auf die Straße treiben, so treibt dan der Hirt durch die Dorfstraße bis Er alle gesammelt hatte u. auf die Weide trüb, das war jeden Tag die erste Arbeit, dann ging s in die Schule nach Gebrontshausen, eine kleine ½ Stunde zu gehen, ein Stück Brod in die Schultasche das war das Mitagessen wenn es nicht reichte dann mußte ich mir noch etwas dazu betteln, es waren uns damals schon 6 Kinder, 3 gingen in die Schule und 3 waren zuhause, bis da meine Mutter einem jeden etwas mitgab und oft war gar kein Brod vorhanden zum mitnehmen dan wußten wir schon wie wir daran waren, da hieß es betteln um zwei Uhr war dan die Schule aus, da mußten wir uns wieder schicken daß wir nach Hause kamen, schnell aßen, dann mußte Ich der ältere aufs Feld hinaus u. meinem Vater helfen, den gegen Abend wurden die Vieher immer sehr unruhig namentlich die Schweine im Winter wen es kalt ist, sehr oft kam es vor dass es regnet u. schneit u. oft durchaus naß wurden ein Heimtreiben gab es nicht eher bis gegen Abend da tut einem eine warme Stube gut, auch mein Vater hatte ein hartes Dasein, denn Er mußte auch wieder dafür sorgen, dass er Holz eimbrachte das war oft eine furchtbare Schinderei mit dem Schubkarren u. dan diese ganz schlechten Wege dazu, da mußten dan meine Muttter und wir Kinder, wer etwas leisten konnte, die Viehherde übernehmen, des abends wan wir dan zuhause waren, gingen wir oft zum Feichtpetern in die Visit, diese hatten auch 3 Kinder einen Buben und zwei Mädels, allerdings schon zwei bis drei Jahre älter als wir. Die alten waren auch sehr gute Leute, auch mit den Kindern waren wir recht gerne beisammen, hi u. da gabs ein Stück Brot oder gar eine Schuxen (Küchel) wir Buben haben dan wieder Gegenleistungen gemacht z.B. Holzeintragen oder einen Grand Wasser schöpfen, auch gab es allerhand lustige Spiele z.B. Mühlfahren, Kartenspielen, Schneider, Schneider leih mir die Scher, blinde Katzen fangen (blinde Kuh) oder Stockschlagen der alte Feichtpeter lag auf der Lodern u. hatte uns vergnügt zugeschaut. Die Lodern das war ein Bret ungefähr 60 - 65 cm unterm Blavon an der Seitenwand an zwei Stützen angemacht. Da oben war es schön warm im Winter u. das war den Bauern oder den Knechten abends Ihr Lieblingslager. Natürlich hatte der Bauer das Vorrecht. Das waren dan für uns Kinder vergnügte Stunden u. lustig war es, bis zum Heimgehen, denn wir kannten es nicht in welchem Elend wir daheim leben, weil wirs nicht anders wußten. Auch dieses Jahr ging vorüber es war wieder Martini die Zeit zum schlänkeln, der alte Hirte hatte sich wieder um eine andere Hüt (Platz) geschaut Uttenhofen hieß der Ort a.d. Ilm wieder kamen die Bauern mit ihren Pferden u. Wagen angefahren, luden die ganzen Sachen auf u. bis gegen Abend waren wir wieder an Ort und Stelle, wie oben erwähnt in Uttenhofen, ein paar Tage später kam mein jüngster Bruder Albert zur Welt. Wiederum wurde bei uns die Not um einen Mann stärker, es waren uns jetzt sieben Kinder, kein Geld u. keine Hilfe, was ist anzufangen? es läßt sich denken, was das für ein jämmerliches Lebens ist, dieser Geburtstag war der 13. Novb.1877, es gab keine Nothilfe wie z.B. heute in der Zeit nach dem Weltkrieg, mir als der älteste Bub blieb immer der Löwenanteil an der Arbeit und im beteln u. der nächst älteste mußte dan schon überall mit eingreifen und noch lange ist keine Aussicht vom Bettel los zu werden. Die Arbeit hatte mich noch nicht so gekränkt wie Bettel, acht Schäffel Roggen war der Jahresverdienst das reichte für 9 Personen bei weitem nicht, es waren in diesem Ort recht christliche Leute z.B. bei den Bauern, wo wir die Milch für das kleine Kind holten hatte die Bäuerin jedes Mal einen richtigen Guß Weihwasser, aus dem Weihwasserkrügel in die Milch hineingeschüttet, damit die Kühe nicht verhext werden, das wenn heute in der Stadt eine Milchfrau machen würde, da käme ganz sicher eine gehörige Strafe, es ging wirklich elend und schlecht, den gleich darf auch der Hirt nicht kommen um Getreide einzubringen weil noch nichts verdient war, es war auch in dieser Ortschaft nicht gut für uns, das beste was wir hatten war die Schule, da hatten wir gar nicht weit zu gehen, das Hirtenhaus war auch klein und schlecht, Jahr aus Jahr ein hatte es geraucht, weil alles so lumpig war im Winter nie eine warme Stube, weil man immer Fenster und Türen aufmachen mußte, auch waren in dem Häuschen noch ein paar alte Leute drinnen in der Wohnung, die Gemeindearmen, der B. und seine Frau. (Name unleserlich)

Wiederum war ein Jahr vorüber und meine Eltern waren gezwungen, sich um ein höheres Einkommen umzusehen u. zwar kamen wir auf Martini nach Förnbach bei Pfaffenhofen a.d. Ilm, da gab es viel Arbeit, Schafe, Schweine u. Geißen, im Sommer Kühe u. sehr viele Gänse zum hüten da war das Einkommen bedeutend beßer als in Uttenhofen, auch wir Kinder waren voll auf beschäftigt, auch der kalte Winter 78/79 ich und mein Vater mußten ständig mit dem Schlitten um Holz fahren, meine Mutter u. die anderen Geschwister waren die Hirten, den jeden Tag was wir an Holz heimbrachten wurde verbrannt den in einem solchen Hüterhaus läßt sichs denken wie schlecht der Ofen war u. auch das Hirtenhaus.

Paul Trinkl

(Paul Trinkl war mein Großvater mütterlicherseits. Ich habe die Fehler nicht ausgebessert, um die Aufzeichnungen möglichst originalgetreu wiederzugeben.)

Hans Lehrer