April, April!

Der 1. April war für uns Kinder stets ein ganz besonderes Datum. Einmal im Jahr war es nämlich erlaubt, sogar die Autorität der Erwachsenen untergraben zu dürfen und sie in den April zu schicken. Wann und wie dieser Brauch entstanden ist, weiß man nicht mehr genau. Doch hat es sicher etwas mit dem absterbenden, machtlosen Winter zu tun, mit dem der seine Herrschaft antretende Sommer tun kann, was er will und natürlich mit dem launischen Aprilwetter, das uns mit Regen, Sonnenschein, Sturm und Wind ja sogar noch mit Schnee zuweilen überrascht und wir darauf antworten:

“Ich glaub, der launische April,
weiß selbst nicht, was er will.”

Andere wiederum behaupten sogar, dass dieser Brauch, die Leute an der Nase herumzuführen, etwas mit der Erinnerung an das Herumschicken des Herrn “von Pontius zu Pilatus“, das am 1. April gewesen sein soll, zu tun habe. Damit aber passt schlecht zusammen, dass man meist ahnungslose und einfältige Leute, oder leichtgläubige Kinder herumschickt und sie die unmöglichsten Aufträge erledigen lässt. Spitzbübisch schafft man ihnen an, zumindest solange es ihn noch gibt, vom Kramer rosagrüne Tinte, ein gerades Häkchen, gehackte Flohbeine, Kuckucksöl oder für einen Cent Ohwiedumm, einen hölzernen Holzschlegel, einen Sonnenbohrer oder einen Nebeltrenner zu holen.

“Heute ist der erste April,
da schickt man den Narren,
wohin man nur will”,

...stand belehrend in unserem Erstklass Lesebuch auf Seite 104.

Oder man verbreitet eine Nachricht, dass da oder dort etwas Besonderes geschehen, zu holen oder zu begaffen sei. Solche Aprilscherze bringen manche Zeitungen in der Nummer vom 1. April oder in der vorausgehenden Abendausgabe auch heute noch.

Ebenso schreibt man scherzhafte Briefe, etwa einen mit dem Inhalt:

“Hätt’st du den Brief nicht aufgemacht,
so würd´st du auch nicht ausgelacht.”

Aprilscherze, meist in der Form des “In den April schicken”, sind fast auf der ganzen Welt daheim, nicht nur dort, wo das Wetter launisch ist. In ganz Europa, ja sogar im fernen Amerika sind diese Späße beliebt, während Zar Peter I. von Russland, wo man den 1. April als Narrentag bis dahin noch nicht kannte, es sehr übel genommen hat, als der aus Danzig stammende Theaterdirektor Johann Kunst sich mit ihm und dem Theaterpublikum am 1. April 1705 einen allerdings sehr einfältigen Aprilscherz erlaubte. Was es genau war, habe ich leider vergessen.

Ist der Aprilscherz gelungen, so wird der Angeführte nicht allein als Aprilnarr oder Aprilaffe verspottet, sondern es werden ihm auch eigene Spottreime zugerufen. Einer davon geht so:

Angeführt,
mit Butter geschmiert,
mit Käse geleckt,
hat’s gut geschmeckt?

Der Aprilscherz kann auch in Unfug ausarten und dann leicht schwere Folgen nach sich ziehen. In einer ungarischen Stadt brachten sich zwei Frauen, Mutter und Tochter, ums Leben, weil ihnen jemand am 1. April aus Budapest geschrieben hatte, dass ihr dort eingerückter Sohn, bzw. Bruder, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden sei, weil er abgetretene Absätze trage.

Hans Lehrer 1. April 2011