Betrachtungen über Jesus

Das Christentum baut auf der Lehre Jesu auf, der vor 2000 Jahren in Bethlehem geboren wurde und mit 33 Jahren am Kreuze in Jerusalem starb. Sein Leben und Wirken ist uns in den vier Evangelien Matthäus, Lukas, Markus und Johannes überliefert. Geboren in einem Stall und somit Tröster aller Armen, gestorben unter größten Schmerzen und somit Tröster aller Kranken, auferstanden von den Toten und somit Tröster aller Verzweifelten und Mutlosen, ist er die einzige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. In vollkommenster Weise lehrt uns Jesus die Liebe zwischen den Menschen und die Liebe zu Gott. “Ich bin die Liebe, die Wahrheit und das Leben, wer an mich glaubt, hat das ewige Leben in sich”. Bei Jesus gibt es keine Vergeltung sondern nur Vergebung. Gott ist nicht mehr der Bestrafende sondern der Verzeihende.

Er selbst ist Mensch und Gott zugleich, das “Fleisch gewordene Wort”. Da er Mensch war, ist er einer von uns, und da er Gott ist, sind wir einer von ihm. Jesus ist der Weg, der uns zurückführt in die Urheimat, nach der sich unsere Seele ein Leben lang sehnt. Ihm zu folgen, heißt, seiner Lehre und seinen Werken zu folgen. Bereits im Alten Testament galt als höchstes Gebot die Liebe zu Gott. Jesus fügte dieser Liebe den Satz hinzu: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!” und musste wohl dafür sterben. Denn das war neu und aufrührerisch, für die damalige Zeit, wo der Gedanke der Rache “Aug’ um Aug’ und Zahn um Zahn”, die ewige Verdammnis und Gottes Rache Gültigkeit besaßen. Mit seiner Lehre brachte Jesus Unruhe in die damals herrschende Gesellschaftsordnung. Er scheute sich nicht, die Bekanntschaft von Ausgestoßenen und Sündern zu machen und die Nähe von Verlierern und mit Schuld beladenen zu suchen und bezeichnete sich in einem Gleichnis als “Guter Hirte”, der sich um seine gesamte Herde ohne Ausnahme kümmert und sie vor Schaden bewahrt. Jesus strebte nie nach irdischen Reichtümern sondern lebte nach dem Grundsatz: “Verschenke alles was du hast und gib es den Armen!” Damit forderte er den Satan heraus, der mit der Gier nach Macht und Reichtum in die Welt Unfrieden, Hass und Neid bringt. Satan wollte Jesus in die Versuchung führen und versprach ihm alle Reichtümer dieser Welt, wenn er vor ihm niederfiele und ihn anbeten würde. Jesus vertrieb Satan und blieb lieber arm wie eine Kirchenmaus als seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. “Sehet die Vögel des Himmels, sie säen nicht und ernten nicht und dennoch ernährt sie der himmlische Vater.” Hinlänglich ist das Gleichnis vom Kamel bekannt, das eher durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel gelangt.

Leider hat die Kirche im Laufe ihrer zweitausend jährigen Geschichte riesige Reichtümer angesammelt und dadurch an Glaubwürdigkeit verloren. Eine Rückbesinnung auf die wahren Werte des Christentums und ihre reine Lehre ist nötig, um der Kirche als Institution eine Chance zu geben und zu überleben. Nicht der erhobene Zeigefinger sondern die gütige Hand ist nötig, um Vertrauen zurück zu gewinnen.

“Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen”. So oft ich auch versuche, in den Evangelien irgend eine Schwachstelle zu finden, die ich kritisieren könnte, wird es mir nicht gelingen; denn die wahre Lehre Jesu ist von einer so großen Vollkommenheit, wie nichts anderes auf dieser Welt vollkommen ist. Hierin sehe ich die Erlösung von allem Bösen, wie sie uns Jesus im “Vater unser ... “ lehrt. Obwohl wir Gott mit unseren Gedanken nicht erfassen sondern über die Schöpfung immer wieder nur staunen können, bringt uns Jesus in einfachen Worten seine Lehre so nahe, dass er empfiehlt, besser ein Kind zu werden, um leichter glauben zu können.

Nicht die Wunder sind es, mit denen Jesus alle seine Zweifler angeblich überzeugen wollte. Hätte Jesus auch kein einziges Wunder vollbracht würde ich dennoch an ihn glauben; denn wichtiger noch als dem Sturm Einhalt zu gebieten, Blinde sehend zu machen und Aussätzige zu heilen sind seine Sätze: “Stecke das Schwert in die Scheide, wer mit dem Schwert kämpft, kommt mit dem Schwert um”. Ab sofort gäbe es keine Kriege mehr. Auch ein andere Satz beeindruckt mich zutiefst: “Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!”

Wenn ich daran denke, dass in anderen Kulturen und Teilen der Welt auch noch im 21. Jahrhundert gesteinigt wird, Leute wegen ihrer Veranlagung, Einstellung und Überzeugung getötet werden, bin ich froh, Jesus als mein großes Vorbild auserwählt zu haben. Er führt mich einst dorthin, wo die unendliche und unsterbliche Liebe beheimatet ist, dort, wo die Worte seiner Bergpredigt ewige Gültigkeit besitzen. Und somit geht meine objektive Betrachtung über Jesus in eine subjektive Betrachtung über; denn es gibt keinen Glauben, der objektiv ist sondern der Glaube ist eine Herzensangelegenheit eines jeden einzelnen, und bevor ich mich falschen Propheten zuwende, die sich uns als “Wölfe im Schafspelz” nähern, bitte ich Jesus im Gebet, mein treuer Begleiter zu sein, auch wenn er es nicht immer leicht mit mir hat.

Hans Lehrer
11.09.2011