Der erste Schnee

Juhe! Juhe! der erste Schnee,
rief ich als Kind voll Freude,
Frau Holle schüttelte das Bett,
weiß wurden Feld und Heide.

Die Straßen sind jetzt nicht mehr grau,
die Dächer nicht mehr rot,
die Bäume nicht gespenstisch schwarz,
und weiß ist nicht der Tod.

Die Hände in den Schnee getaucht,
beginnen schnell zu frieren,
ein Schneeball wird damit geformt,
will nicht die Schlacht verlieren.

Es schneit die ganze Nacht hindurch,
lautlos, geheimnisvoll,
im Traum erscheint das Christkind mir,
der Gabentisch ist voll.

O weh! O weh! der erste Schnee,
ruf’ ich als alter Mann,
trostlos erscheint mir die Natur,
nicht freuen ich mich kann.

Die Kälte steigt in mir empor,
umklammert fest mein Herz,
verzichte gerne auf den Schnee,
ach wäre es schon März.

Hans Lehrer