Der Faden

Der Faden zieht sich durch mein Leben,
gesponnen von des Schicksals Macht,
der in die Hand mir ward gegeben,
als ich zum Leben bin erwacht.

An einem Faden hängt mein Leben,
der manchmal dünn wie Seide ist,
begleitet mich auf allen Wegen,
da er des Lebens Strecke misst.

Geht mir der Faden oft verloren,
weil mich mein Geist im Stiche lässt,
fühl’ ich mich stets wie neu geboren,
wenn ich das Ende halte fest.

Verwoben ist in diesem Faden,
das Glück und Unglück dieser Welt,
doch sollte ich nicht gleich verzagen,
wenn mir dazu der Faden fehlt.

Zwei Fäden geh’n verschlung’ne Pfade,
ein Knoten sie zusammen hält,
die Spinnerin am Liebesrade,
zu Golde macht, was ihr gefällt.

Zum Schluss, da wird der Faden spröde,
gar leicht er zu zerreißen droht,
was einst so herrlich war, wird öde,
den Faden schneidet ab der Tod.

Fest in der Hand sind alle Fäden,
bei dem der alles überschaut,
der uns beschützt in großen Nöten,
auf dem sich unsre Hoffnung baut.

Hans Lehrer
Juli 2011