Für jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen

Im Mittelalter hatte jedes Kloster einen Mönch, der sich mit der Kräutermedizin befassen musste. Oft ist ein altbewährtes Hausmittel auch heute noch die beste Medizin, und etwas Kräuterkenntnis kann noch immer manchem vielleicht sogar das Leben retten.

Die Kräuterkunde ist viel älter als die heutige chemische Medizin. Sie reicht zurück bis zu den Anfängen der Menschheit. Selbst den Tieren hat der Schöpfer einen Instinkt gegeben, der sie bei Krankheiten zu gewissen Pflanzen hintreibt. Hund und Katzen fressen immer von Zeit zu Zeit Gras, die Mäuse legen sich einen Vorrat von Pfefferminzwurzeln an, die roten Ameisen pflanzen überall auf ihre Wohnungen den Thymian, verwundete Gämsen wälzen sich auf Alpenwegerich usw. Soll der Mensch allein ganz unbeholfen dastehen und zuerst zehn Jahre studieren müssen, bis er sich helfen kann? Der Herrgott hat dem Menschen die besten Heilkräuter in den Weg gelegt, vor die Hausflure, in den Garten als unvertilgbares Unkraut, in die nahe Wiese, in den Berg und Wald. Natürlich gibt es Fälle genug, wo auch die Kräuter nichts mehr ausrichten und der Arzt herbeigeholt werden muss, der mit allen modernen Hilfsmitteln ausgerüstet ist. Diese Worte stammen von Pfarrer Johann Künzle aus dem Jahr 1911.

Aus der Vielfalt der Kräuter möchte ich nur ein paar auswählen, die mir besonders wichtig erscheinen:

Der Bärlauch schmeckt wie Knoblauch und kommt im Frühling massenweise vor. Den Namen “Bärlauch” gaben ihm die Alten, weil sie sahen, dass die Bären, nach langem Winterschlaf noch schwach und abgemagert, massenhaft dies Kraut verzehrten und bald wieder die alte Stärke gewannen.

Die Brennessel sollte man nah an den Zaun zum Nachbarn setzen, damit sie auch ihm im Notfall das Leben retten. Das Feuer ist eine Verbotstafel, die jede Geiß lesen kann. Kümmel und Anis helfen bei Blähungen, Aufschwellen des Leibes und gegen harten Stuhlgang.

Jedermann kennt den Löwenzahn, er reinigt Leber und Nieren und säubert das Blut. Die Pfefferminze verrät ihre Heilkraft durch den Geruch und hilft gegen Kopfweh und Blähungen.

Der Salbei ist wohl das berühmteste Heilkraut, so dass ein altrömischer Dichter sagte: “Wie kann der Mensch noch sterben, während Salbei wächst in seinem Garten!” Man kann es für fast alle Gebrechen anwenden.

Der Wegerich ist ein sehr verachtetes Kraut, ist aber unstreitig das erste und beste und häufigste aller Heilkräuter. Der liebe Gott hat es an alle Wege gestreut, in alle Wiesen und Raine gesetzt. Er reinigt wie kein zweites Kraut Blut, Lunge und Magen.

Entsetzlich verhasst als Unkraut sind die Winden. Sie sind nicht auszurotten, haben Wurzeln bis in die Hölle hinab und umschlingen alle Gemüse. Aber gerade diese Winden sind ein herrliches Fiebermittel.

Etwas mehr Aufmerksamkeit möchte ich bei meiner Betrachtung dem Knoblauch schenken. Der Knoblauch galt wohl wegen seines starken Geruchs schon im Altertum als Zaubermittel, das Unheil abwehren soll. In manchen Gegenden kommt der Knoblauch auch in den an Mariä Himmelfahrt geweihten Kräuterbüschel. Vielfach glaubt man, dass der Knoblauch die Krankheit an sich zieht. Wenn zwei in einem Bett schlafen, wovon der eine Knoblauch genießt, der andere nicht, wird letzterer nach und nach in Siechtum verfallen und sterben. Ob das wohl mit dem unerträglichen Geruch zusammen hängt? Ich glaube nicht nur an die blutdrucksenkende Wirkung des Knoblauchs sondern betrachte ihn als Elixier zum Jungbleiben.

Der Ingwer ist die scharfe Wunderknolle für das Wohlbefinden. Ingwer ist weit mehr als nur ein Küchengewürz in der asiatischen Küche. Denn in dem unscheinbaren Gewürz steckt ein wahres Feuerwerk an ätherischen Ölen und Scharfstoffen. Einer dänischen Studie zufolge verhindert der tägliche Genuss von 5 g Ingwer die Anfälligkeit für Thrombose und Schlaganfall und stärkt die Abwehr.

Lob und Dank sei daher dem allmächtigen Schöpfer und Vater, dass er uns in solcher Fülle so viele natürliche Heilmittel gegeben hat!

Hans Lehrer