Glück- und Unglückstage

Glückstage und Unglückstage sind Tage, an welchen das Schicksal in gutem oder bösem Sinn in das Menschenleben eingreift, an welchem aber auch der Mensch selbst auf sein Geschick Einfluss nehmen kann, indem er dem Unglück auszuweichen und das Glück an sich zu ketten sucht. Günstige Tage und ungünstige Tage, wie man sie besser bezeichnen sollte, wurzeln einerseits im Sternenglauben und andererseits im Götterglauben, also in der Religion.

Mit dem Christentum bürgerte sich die Bestimmung der Glückstage nach der Bibel und dem Leben der Heiligen ein. Bei der Feststellung, ob ein Tag günstig ist für ein Werk oder nicht, wird auch der Mond beachtet. In alten Kalendern werden die Glückstage aufgezählt, die gut zum Aderlassen, zum Säen und Pflanzen, zum Holzfällen und zum Kinderentwöhnen sind.

Noch wichtiger aber ist der mündlich überlieferte Volksglaube an Glückstage, der auch in der Gegenwart besteht. Diese Glücktage werden namentlich bei wichtigen Ereignissen im Familien- und Wirtschaftsleben beachtet.

Von den Wochentagen gelten der Dienstag und Sonntag allgemein als Glückstag. Zwischen diesen und den ausgesprochenen Unglückstagen, dem Montag, Mittwoch und Freitag stehen der Donnerstag und Samstag. Der Donnerstag, an dem wie am Dienstag die Teufel zumeist erscheinen, hat wohl hauptsächlich von kirchlicher Seite aus den Stempel des Unheilvollen aufgedrückt bekommen obwohl er eigentlich als günstiger Tag für den Eintritt der Dienstboten und für Hochzeiten gilt, was auch auf den Dienstag zutrifft. Der Samstag ist kein so ausgeprägter Unglückstag, er ist auch günstig zum Abhalten von Richtfesten, zum Wäschetrocknen und für den Beginn der Ernte. Die Zigeuner sehen den Dienstag als Glückstag an, aber auch den Freitag, wie die Mohammedaner.

Einzelne Monatstage werden als Glückstage nicht aufgeführt, aber allgemein gilt der Glaube, dass die Zeit des zunehmenden Mondes und des Vollmondes, der die gesteigerte Kraft des zunehmenden besitzt, für alles, was “zunehmen”, sich gut entwickeln soll, günstig ist, während für einzelne Unternehmungen und Arbeiten, für die das “Abnehmen” in Betracht kommt, die Zeit des abnehmenden Mondes gewählt wird.

Schicksal

Das Schicksal ist nicht aufzuhalten,
es kommt so, wie es kommen muss,
ihm müssen wir uns hilflos beugen,
bringt es statt Glück auch oft Verdruss.

Doch welche Macht steckt hinter allem,
die uns ein ewig Rätsel bleibt,
die uns mit Freuden überschüttet,
zuweilen auch zum Wahnsinn treibt.

Daraus entstanden ist der Glaube,
der Trost und Hoffnung spenden will,
da wir dem Schicksal unterliegen,
ist Gott für uns Anfang und Ziel. Hans Lehrer

Von den Tagen des Jahres sind die christlichen Hauptfeiertage zumeist Glückstage und günstig zur Vornahme bestimmter Geschäfte und Verrichtungen, so Neujahr, Ostern und Pfingsten, aber auch der Christtag. Von anderen Glückstagen des Jahres seien erwähnt: Mariä Verkündigung (25. März), wichtig für den Beginn der Feldarbeiten und in Bezug auf das des Viehs, der 1. Mai, auf den freilich auch der unheimliche Zauber der Walpurgisnacht seine Schatten wirft, Maria Himmelfahrt (15. August), der Michaeltag (29. September), der Martinstag (11. November), der Andreastag (30. November), der Barbaratag (4. Dezember) und der Thomastag (21. Dezember). Allerdings werden die am Thomastag geborenen Kinder unglücklich. Innerhalb des Jahres sind der Aschermittwoch und der Karfreitag Unglückstage.

So pflanzte das Christentum auch den antiken Glauben an Unglückstage weiter und bereicherte ihn wesentlich, indem das Leben Christi und der Heiligen, wie überhaupt der christliche Jahreskalender, neue Unglückstage lieferte, die handschriftlich weit verbreitet waren, sich ein einfacher Landmann dennoch alle schwerlich merken konnte.

Zur Erklärung der Unglückstage kommt für alle Völker in erster Reihe der Glaube an das unbestimmbare, unfassbare, über alles schwebende Schicksal in Betracht, womit sich die Furcht vor der ungewissen Zukunft von selbst verbindet. Aus diesem Glauben und dieser Furcht erwuchs erst das Streben des Menschen, diese Zukunft zu erforschen, die Tage, welche besonders verhängnisvoll sein könnten, festzustellen. Dies glaubte der Gelehrte vor allem aus den Gestirnen lesen zu können, während auch der Glaube an die geheimnisvolle Bedeutung der Zahl von großer Wichtigkeit ist.

So spielt bei den Monatstagen die gerade und ungerade Zahl eine Rolle, ob es sich um Glücks- oder Unglückstage handelt, wobei man je nach Regionv verschiedener Auffassung war. Ein Unglückstag ist selbstverständlich der 13. Tag eines Monats. Verrufene Tage sind in manchen Gebieten der letzte Montag im April, weil an diesem Tag Kain seinen Bruder Abel erschlagen haben soll, dann der erste Montag im August, an dem Sodom und Gomorra untergegangen sind, und der letzte Montag im November als Geburtstag des Verräters Judas. Besonders ungünstig ist die Siebenzahl im Laufe eines Monats. So ist auch der durch 7 teilbare 28. Dezember, der Tag der unschuldigen Kinder, ein Unglückstag.

Ein gläubiger Mensch vertraut allerdings auf Gott und nicht auf Glücks- und Unglückstage, und das ist auch gut so.

Hans Lehrer