Federlesen

In meinem Elternhaus herrscht Stille,
die meisten Räume stehen leer,
das Leben ist längst ausgezogen,
bald gibt es dort auch mich nicht mehr.

Bang stelle ich mir oft die Frage,
was wird mit diesem Haus gescheh’n,
das auch nach meinen Kindertagen,
noch gute Zeiten hat geseh’n.

Im Schweiße ihres Angesichtes,
hatten die Eltern es erbaut,
ein jeder Winkel dieses Hauses,
war allen lange Zeit vertraut.

Dort, wo der Bruder und ich schliefen,
zog später meine Schwester ein,
für ihren Mann und ihre Tochter,
wurden die Räume bald zu klein.

Der gute Geist wich aus dem Haus,
als Mutter von uns ging,
der Abschied fiel ihr sicher schwer,
weil sie am Häuschen hing.

Erneut kam Leben in die Bude,
mit Kindern, die gehörten mir,
auf engem Raum lebten sie glücklich
und bildeten die “Wilden Vier”.

Das Nest ist leer - ich sammelte,
die Federn alle auf,
von der Erinnerung lebt der Mensch,
und zehrt vom Lebenslauf.

Hans Lehrer