Gedanken zur Nacht

Mein Bett steht unter einem Dach,
das steil ist, wie ein Zelt,
bevor der Schlaf mich sanft entführt,
mein Blick nach oben fällt.

Versuch’ zu zählen alle Stern‘,
die hoch am Himmel steh’n,
die Uhr vom Kirchturm lenkt mich ab,
sie schlägt gerade zehn!

Das Lied “Der Mond ist aufgegangen”,
klingt aus der Schulzeit, mir im Ohr,
als hinter einer großen Wolke,
er wie ein Schäfer tritt hervor.

Als ich zu beten will beginnen,
mit “Müde bin ich geh’ zur Ruh’ ...”,
dauert es nicht mehr allzu lange
und meine Äuglein fallen zu.

Vom Bäumlein, das die Mutter schüttelt,
auch wenn sie längst gestorben ist,
fallen herab die schönsten Träume,
weil sie ihr Kindlein nie vergisst.

Hans Lehrer