Der Bucentaur

Der Starnberger See war einst der Hauptvergnügungspunkt der Fürsten von Bayern, der Glanzpunkt seiner Herrlichkeit fiel in die Zeit der Regierung des Kurfürsten Ferdinand Maria. Panzerstechen und Schiffrennen wechselten da mit den Freuden der Jagd. Zu Ehren seiner prunkliebenden Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen ließ der Fürst das prachtvolle Schiff den “Bucentaur” erbauen, das prachtvollste Schiff, das je den See befahren.

Dieses Schiff war eine Kopie des Krönungsschiffes der venezianischen Dogen. Der Bau des Schiffes wurde im Jahre 1662 von zwei italienischen Baumeistern (Margioti und Zanti) begonnen und 1665 vollendet. Es maß in der Länge 100 und in der Breite 25 Fuß. Es hatte zwei Mastbäume und war von innen und außen von Statuen und Malereien reich verziert. Im unteren Schiffsraum waren nicht weniger als 110 Ruderer und Arbeiter tätig.

Die Hauptfarben des Schiffes von außen waren weiß und blau, dagegen alle Schnitzereien reich vergoldet. Gleich vom Wasser aus erblickte man rings um das Schiff einen gemalten Tanz der Syrenen, Najaden und Tritonen. Auf der vorderen Spitze stand Neptun, statt des Dreizacks die bayerische Fahne haltend, auf der rückwärtigen Seite aber Minerva, beide Figuren vergoldet. Zwischen den Fenstern befanden sich 34 geschnitzte Thermenbilder.

Das Schiff enthielt einen großen Saal, welcher 45 Fuß lang und 9 Fuß hoch war. Beim Eintritt, wo der Mastbaum angebracht war, stand die Statue des Herkules und in der Mitte des Saales Neptun, welcher auf einem Delphin in der Mitte eines großen Muschelbeckens saß, welches von vier Meerwesen getragen wurde. In der linken Hand hielt er einen Krug, aus welchem das Wasser in eine Muschel seiner rechten Hand floss und sich von da in das große Muschelbecken ergoss.

Von diesem Saale aus gelangte man in ein 20 Fuß langes Vorzimmer, welches nach zwei kleineren Seitenzimmern führte. Sämtliche Räume waren mit Wappen, Genien, mythologischen Darstellungen usw. von Caspar Amort reich bemalt. Das Schiff, welches 16 Kanonen trug und trotzdem nur einen Tiefgang von 3 Fuß hatte, war bei stürmischem See nicht leicht zu dirigieren. Am obersten Verdeck war der Raum für die “Musik und Pauker”.

Der Bucentaur war bei seinen Fahrten von einer Lustflotte von 17 Schiffen umgeben. Darauf befanden sich die Kammerherren, Köche, Aufwärter usw., welche die zum Ankern nötigen Geräte, das Silbergeschirr, die Speisen und die Weine mit sich führten. Auch diese Schiffe waren nicht klein und fassten 2000 Personen.

Diesen drei bis viermal im Jahre stattfindenden Festlichkeiten ging gewöhnlich eine Hirsch-Seejagd voraus, und während der Fahrt belustigte man sich mit verschiedenen Spielen und Leibesübungen, wobei das Schwimmen eine der hervorragendsten war. Bei einbrechender Nacht wurde das Schiff festlich beleuchtet und ein Feuerwerk beschloss den Festtag.

94 Jahre dauerte die Herrlichkeit des Bucentaur, dann wurde er schwach und hinfällig. Es hätte zunächst eines neuen Schiffbodens bedurft, der Bucentaur wurde zerlegt und nie wieder zusammen gesetzt, denn die Kosten der Reparatur stellten sich als so enorm heraus, dass Max Joseph III. auf dessen Wiederherstellung verzichtete. So nahm das stolze Schiff ein klägliches Ende und an einem Winterabend knisterte Neputun in dem Kachelofen einer Schifferwohnung. Friede seiner Asche!

Hans Lehrer