Die Auer Zimmerleute

Gerne werden die tapferen Auer Zimmerleute im Zusammenhang mit der Sendlinger Mordweihnacht genannt, für deren Opfer in früheren Zeiten Bittgänge von der Au nach Andechs durchgeführt wurden.

Am 9. Dezember 1829 baten neun Zimmerleute aus der Au in einem Gesuch an die Behörden, dass der Kreuzgang nach dem Berg Andechs alle drei Jahre wieder wie in früherer Zeit zum steten Andenken an die in der Bauernschlacht bei Sendling gefallenen Brüder gemacht werden dürfe.” Die Regierung ersuchte das erzbischöfliche Ordinariat um Äußerung und beantragte die Abweisung des Gesuches, nachdem die Kirche von einer völligen Unstatthaftigkeit solcher Kreuzgänge gesprochen hatte, weil sie gegen die kirchliche Ordnung sind, “und solche Züge über Land, obgleich unter einem religiösen Vorwand, nicht selten zu den schändlichsten Unfügen Anlass geben und daher mit Recht durch allerhöchste polizeiliche Verordnungen abgeschafft wurden.”

Das Ministerium des Innern schloss sich in seinem an den König erstatteten Bericht diesem Antrag an, “weil sich die Entstehung des Kreuzganges aus Veranlassung der Sendlinger Schlacht nicht nachweisen lasse“. Der König traf jedoch folgende Entscheidung: “So lange ich nicht anders verfüge, bewillige ich, dass jedes 3. Jahr befraglicher Kreuzgang stattfinden darf und heuer der erste wiederum sei. 13. März 1830. Ludwig.” Die Gründe, die König Ludwig I. zur Genehmigung veranlassten, ließen sich nicht feststellen.

In seiner kritischen Untersuchung kommt der Historiker Karl von Wallmenich zu dem Ergebnis, dass nicht die geringste Kleinigkeit in der Geschichte der Auer Zimmerleute historisch nachweisbar ist. “Es handelt sich hier, wie bei der Erzählung vom Schmied von Kochel, um ein Erzeugnis der Volksfantasie, das alle charakteristischen Merkmale der Sage zeigt: Sie knüpft an wirkliche historische Ereignisse an, verwebt und verschiebt Personen und Ereignisse und schmückt die Erzählung aus Lokalpatriotismus mit allerlei heldenhaften Zügen aus.”

Hans Lehrer