Großväter

Die Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen,
die zwischen ihm und mir besteht,
der gleiche Mund, dieselbe Nase
und auch die Augen wie man sieht.

Mit siebzig schied er aus dem Leben,
so viele Lenze zähl’ ich jetzt,
ich bin ihm leider nie begegnet,
doch wird er von mir hoch geschätzt.

Er ist der Vater meiner Mutter,
sie hat sehr oft von ihm erzählt,
ich kenne ihn von all den Bildern,
das war wohl eine andre Welt.

In Mainburg wurde er geboren,
als König Ludwig noch regiert,
war Pionier in Ingolstadt,
hat später in der Au logiert.

Als Ziegelmeister brachte er,
es mit der Zeit zu Geld,
er kaufte sich ein Bauernhaus,
dazu ein großes Feld.

Sechs Kinder waren all sein Stolz,
fünf Mädchen und ein Bub,
als Großvater verstorben war,
stritten sie um sein Gut.

Wenn er mich heute sehen könnt’,
wie wär’ ihm wohl zu Mut’?
Sein Nachkomme mit Nasenring,
fänd’ er das wirklich gut?

Auch ich bin Großvater geworden
und viele Jahre auf der Welt,
am Ende möchte ich mir wünschen,
dass man mich lang in Ehren hält.

Hans Lehrer