Mondsüchtig

Wenn die Tage kürzer werden
und die Nacht sich breitet aus,
kehre ich zurück vom Wandern,
in mein mir vertrautes Haus.

Vieles scheint noch so wie früher,
steht an seinem alten Platz,
doch verschwunden ist die Mutter,
meines Hauses größter Schatz.

Seelenlos sind all die Räume,
denen sie einst Leben gab,
fröstelnd spüre ich allmählich,
dieses Haus wird mir zum Grab.

Öffne weit ich seine Fenster,
atme ein die Abendluft,
scheint der Mond in meine Zimmer,
mich zum Wandern wieder ruft.

Fange an, im Traum zu schweben,
auf mich kommt die Mutter zu,
wieder spüre ich ihr Lächeln
und in ihr finde ich Ruh'.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 29.10.2013

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