Im Trödlerladen

Im Trödlerladen

Ein Trödler sammelt altes Zeug,
aus längst vergang'ner Zeit,
das meiste ist wohl nicht viel wert,
mehr eine Seltenheit.

Erinnerungen werden wach,
ans liebe Elternhaus,
dort hing die gleiche Pendeluhr,
ging man im Flur gradaus.

Die Wand schmückte ein großes Bild,
eins, wie's der Trödler hat,
der Leichnam Christi wird beweint,
bevor er kommt ins Grab.

Ein alter Krug mit Jahreszahl,
Schmuck, den auch Oma trug,
aus einem Brief in deutscher Schrift,
wird kaum einer recht klug.

Die Lampen stammen aus der Zeit,
als neu noch war der Strom,
der Blick fällt auf ein Radio
und Opas Telefon.

Schallplatten, Bücher, Stickerei,
liegen auf einer Bank,
Kleider, die einst Reiche trugen,
hängen in einem Schrank.

All das riecht nach Vergänglichkeit,
wenn man den Raum betritt,
das alte Zeug raunt jedem zu:
„Nimm mich doch bitte mit!“

Hans Lehrer