Eine traurige Tiergeschichte

Efes im Couchstuhl Zu unserem Kangal, einem türkischen Hirtenhund, sind wir vor zwei Jahren wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Wir betrachten es noch heute als göttliche Fügung, einem Türken geholfen zu haben, ihn aus einer Notlage zu befreien. Seine Hündin hatte neun Junge geworfen, und er hatte nur eine Wohnung. Also räumten wir unser Gartenhaus aus und bekamen die kleinen Racker, als sie gerade einmal zwei Tage alt waren in einem Schuhkarten, in dem sie noch alle Platz hatten, angeliefert. Wir spürten die dankbaren Blicke der kreuzbraven Hundemutter Zarah, die es sich in unserem Garten mit ihren Kleinen bequem machte. Bald schon waren die süßen Hündchen so groß, wie unsere beiden Labrador-Jagdhund Mischlinge, einem Geschwisterpaar, das wir vor sieben Jahren als Welpen aus dem Tierheim geholt hatten. Alle zusammen bildeten eine große Hundefamilie und wir merkten erst jetzt, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Hund“ gekommen waren. Einen der Kangalwelpen mit einem besonders treudoofen Blick, der uns auf Schritt und Tritt nachlief, durften wir als Dankeschön behalten. Gemeinsam kann er nun jedes Jahr am 17. April mit meinem Freund Klaus Geburtstag feiern. Er heißt „Efes“, wie das türkische Bier und hat eine imposante Größe, die von vielen bewundert wird und daraufhin angesprochen werden. Efes hat das liebe und gutmütige Wesen seiner Mutter geerbt.

Die ersten Gewitterwolken brauten sich zusammen, als er mit 14 Monaten von einem anderen angeleinten Hund aus der Nachbarschaft, auf den unser Efes tollpatschig zugesprungen war, um mit ihm zu spielen, schwer verletzt wurde. Er hatte Efes eine Ader durchgebissen, so dass das Blut wie eine Fontäne herausschoss. Dass er nicht verblutete, verdankten wir der Tierklinik, die ihn sofort versorgte. Trotz dieser Biss Attacke, wurde Efes vom anderen Hundebesitzer beim Kreisverwaltungsreferat als gefährlich gemeldet, weil er ihm in seine Hand gebissen hätte, was nicht stimmte. Trotzdem war die Folge ein Leinen- und Beißkorbzwang für unseren Efes, bis ein Gutachter feststellen konnte, dass Efes ein braver Hund sei, der niemand etwas zu leide tun könne, was durch über 70 Unterschriften von anderen Hundebesitzern untermauert wurde. Der Leinenzwang wurde bis auf die unmittelbare Wohnumgebung wieder aufgehoben. Das war im letzten Jahr. Freitag, der 13. März 2015 war für uns und Efes ein rabenschwarzer Tag. Als eine Frau mit ihrem angeleinten Berner Sennenhund den freilaufenden Efes im Park erblickte, ergriff sie panikartig die Flucht und lief auf die andere Straßenseite. Wen wundert es, dass Efes ihnen nachlief, um den Hund zu beschnuppern. Mehrmals schlug die Frau auf Efes mit der Leine völlig unprofessionell ein, unnötig; denn Efes hörte auf den Kommandoruf meines Freundes, der auch der Hundeführer ist und kam von selbst sofort zurück. Die Frau setzte ihren Weg, als ob nichts gewesen wäre, fort. Wir fielen aus allen Wolken, als wir nach der Rückkehr von einer vierwöchigen Reise, die wir noch am selben Tag angetreten hatten, wieder Post vom Kreisverwaltungsreferat in unserem Briefkasten fanden. Efes hatte beim Spiel dem anderem Hund eine Hautwunde zugefügt, die behandelt worden war. Wir bezahlten die Arztrechnung und gaben uns mit der Besitzerin die Hand. Im Änderungsbescheid jedoch wurde erneut Leinen- und Beißkorbzwang verordnet und 500 € Zwangsgeld bei Nichtbeachtung angedroht. Es wurde uns keine Eingewöhnungszeit gewährt, und wir wollten nicht, dass Efes darunter litt oder sich sein Wesen veränderte. War kein fremder Hund weit und breit zu sehen, ließen wir Efes ab und zu wieder frei laufen, schnuppern und Gras fressen und ersparten ihm auch den Maulkorb. Wo kein Kläger, da kein Richter! Nicht gerechnet hatten wir damit, dass uns der Mann jener Frau mit dem Sennenhund auf Schritt und Tritt verfolgte und uns im Messepark Riem dran kriegte. Er band seinen Hund im Abstand von zweihundert Metern an einen Baum, lief auf uns zu, zückte seine Kamera und fotografierte den Kangal, in der Meinung, dass unser Hund keinen Maulkorb trug und nicht an der Leine geführt wurde. Efes war jedoch zu dieser Zeit nicht in München, sondern beim Decken, und wir führten einen anderen Kangal aus. Die Hunde sehen fast alle gleich aus, charakteristisch ist bei jedem Kangal die schwarze Maske. Der Mann besaß sogar noch die Dreistigkeit, unseren Kangal zu streicheln, was wir ihm strikt untersagten. Er denunzierte uns beim Kreisverwaltungsreferat. Zwei Wochen später erhielten wir wieder Post von dieser Behörde. In einem Umschlag steckten dieses Mal drei Schreiben gleichzeitig und beinhalteten wegen Nichteinhaltung der Leinen- und Beißkorbpflicht die Androhung, dass beim nächsten Verstoß 1000 € Zwangsgeld fällig würden, dass uns sogar die Hundehaltung generell untersagt werden könnte. 500 € Zwangsgeld wurden sofort fällig, zahlbar innerhalb von vier Wochen mit dem Angebot von der Einzugsermächtigung Gebrauch zu machen. Wir sind total am Boden zerstört, leiden unter Schlafstörungen und haben die Angelegenheit einem Rechtsanwalt für Tierrecht übergeben, darauf hoffend, dass es noch eine Gerechtigkeit gibt.

Hans Lehrer