Angst und Sorge

Angst und Sorge

Der Kummer scheint mich zu erdrücken,
der Gram raubt mir den letzten Nerv,
ich lasse einen Menschen fallen,
der mir gewachsen ist ans Herz.

Dem ich zum Leben hab' verholfen
ein guter Vater wollt' ich sein,
ich fühle mich als ein Verräter,
gelassen hab' ich ihn allein.

Woher nehm' ich die Eiseskälte,
und lass sie spüren meinem Kind,
das sich im Leben so oft schwer tat,
weil viele seine Feinde sind.

Es trägt die Gene seiner Eltern,
die allerdings verfeindet sind,
versucht den Ausgleich herzustellen,
scheitert dabei, das arme Kind.

Ich raube ihm die Lust am Leben,
durch meine Unbarmherzigkeit,
jage es fort in einem Zustand,
der mir noch einmal wird tun leid.

Was ich einst liebte, wird zum Feind mir,
werde mir selbst zum größten Feind,
kann nicht mehr meine Seele trösten,
die bitterlich über mich weint.

Bleibt ungesühnt dieses Verbrechen,
verzeiht mir Gott diesen Verrat?
Schon straft er mich mit dem Gedanken,
dass alles keinen Sinn mehr hat.

Hans Lehrer