Nachdenkliches auf Allerseelen

November-Tristess
November-Tristess

Ein Brieflein kommt ins Haus geflattert,
es steht kein Absender darauf,
er ist jedoch an mich gerichtet,
drum mache ich es einfach auf.

Ich werde an das Date erinnert,
das ich mit meinem Herrgott hab',
stattfinden wird es auf dem Friedhof,
dort liegt seit langem unser Grab.

Der Körper als Gefängniszelle,
hat seine Schuldigkeit getan,
vergrabt ihn einfach in der Erde,
doch zündet ihn bitte nicht an.

Viel stärker als der Strahl der Sonne,
erscheint mir Gott in seinem Licht,
vergessen sind die Todesängste
und meine Furcht, er käme nicht.

Ein Federkleid will er mir schenken,
daraus erwachsen Flügel mir,
gemeinsam fliegen wir zu ihm heim,
und beide machen Hochzeit wir.

Als Vöglein werd' ich öfters kommen,
will schauen, wie es euch so geht,
ein Zetterl habe ich im Schnabel,
und ratet mal, was darauf steht?

Vom Vater soll ich alle grüßen,
er segnet euch und wünscht viel Glück,
ich kann nicht länger bei euch bleiben,
fliege schon bald wieder zurück.

Von einem Brieflein war die Rede,
in Wahrheit ist es ein Befund,
den ich von einem Arzt erhalten,
zur Aufregung besteht kein Grund.

Hans Lehrer