Leibspeise

Als Bub aß ich gern Pfannenkuchen,
groß war dabei mein Appetit,
in einer Zeit, gleich nach dem Kriege,
als jeder großen Hunger litt.

Leibspeise

Fünf Enten und dazu drei Gänse,
zog Mutter jedes Frühjahr auf,
den Braten für die hohen Feste,
und alles freute sich darauf.

Leibspeise

Dazu gab es Kartoffelknödel,
tunkte sie in die Sauce ein
und schob ein Stückchen von der Ente,
langsam in meinen Mund hinein.

Es gab nur einmal Fleisch die Woche,
am liebsten war mir das vom Rind,
die Zwerchrippe gekocht mit Wasser,
war meine Leibspeise als Kind.

Leibspeise

Sie hieß wie unser Prinzregent,
war eine Torte lecker fein,
besuchte uns die Tante Betti,
kauften wir gleich sechs Schnitten ein.

Leibspeise

Ich wurd' erwachsen mit der Zeit
fast alles schmeckte mir gleich gut,
bereiste viele fremde Länder,
machte Erfahrung mit fast food.

Leibspeise

Im Alter bin ich schneller satt,
brauch' keinen Koch der Hunger heißt,
geringer werden die Gelüste,
wenn man sein Leibgericht verspeist.

Bevor man anfängt mit dem Essen,
und alle Gaben vor sich sieht,
sollte man rasch dem Herrgott danken,
weil ohne ihn kein Weizen blüht.

Hans Lehrer