Im Spätherbst 2018

Im Spätherbst

Seht! Wie die Bäume nackt dasteh'n,
kein Blatt an ihnen ist zu seh'n,
am Boden haufenweise Laub,
wird, wie der Mensch, wieder zu Staub.

Die meisten Vögel sind verstummt
und viele Menschen eingemummt,
die Kälte setzt ihnen schon zu,
noch bringt sie nichts aus ihrer Ruh'.

Die Nächte werden sichtbar länger,
Gedanken machen sich die Penner,
schlafen noch immer unter Brücken,
wo sie ganz eng zusammenrücken.

Der Nebel raubt einem die Sicht,
man sieht nur sich, andere nicht.
Herbst nennt man diese Jahreszeit,
es wechselt die Natur ihr Kleid.

Vorbei ist das Oktoberfest,
wo man das Bier sich schmecken lässt.
Die Freude auf den ersten Schnee,
hält sich in Grenzen, wie ich seh'.

Im Herbst gedenken wir der Toten,
sie sind unsere Himmelsboten,
und übertragen die Gedanken
gesetzt sind ihnen keine Schranken.

Ich bin im Spätherbst meines Lebens,
ein zweiter Frühling scheint vergebens,
doch was ich sag' ist Schnee von gestern,
drum hör' ich auf, weiter zu lästern.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 16.11.2018

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