Im Schneckentempo

Im Schneckentempo

Zwei Schnecken wollen fort sich pflanzen,
sie tauschen Zärtlichkeiten aus
und sind nicht neidisch aufeinander,
jede von ihnen hat ein Haus.

Der Akt, den hier die zwei vollziehen,
findet im Schneckentempo statt,
der Sommer, den sie dazu nutzen,
noch viele schöne Tage hat.

Sie lassen beide sich nicht hetzen
und schauen auch nicht auf die Uhr,
für sie spielt Zeit kaum eine Rolle,
sie kriechen auf dem Bauche nur.

Müssten die Menschen auch so kriechen
und wäre Schleim auf ihrer Spur,
es würde keine Blutspur geben,
zerstörten sie nicht die Natur.

Vermehrung nur im Schneckentempo,
hilft bei Überbevölkerung,
durch mehr Entschleunigung vor allem,
bleiben die Menschen länger jung.

Nur im übertragenen Sinne,
behauptet man, dass ein Mensch kriecht,
er will sich dadurch was erschleichen,
sonst hätte er es nie gekriegt.

Auf seiner „Schleimspur” auszurutschen,
bestünde durchaus die Gefahr,
Gott gab den Menschen Arm' und Beine,
weil er noch einmal gnädig war.

Zwei Schnecken, die als Vorbild dienen,
wollen, dass ihnen nichts geschieht,
sie zu zertreten wär' ein Frevel,
wenn man sie auf dem Wege sieht.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 10.08.2019

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