Bahnfahrt

Bahnfahrt

Wie ein Bahnhof ist das Leben,
Leute steigen aus und ein,
wissen nicht, woher sie kommen,
oder wie sie finden heim.

Manche reisen 1. Klasse,
schleppen mit sich viel Gepäck,
haben Angst vor schlimmen Dieben,
plötzlich ist ein Koffer weg.

Finden Platz im Speisewagen,
für sie ist der Tisch gedeckt;
denn sie reisen gut und günstig,
wichtig ist, dass alles schmeckt.

Viele haben Fensterplätze,
schauen neugierig hinaus,
sie plagt keine Langeweile,
seit sie fort sind von zu Haus.

Nur die Fahrt durch einen Tunnel,
fördert die Beklommenheit,
wenn es finster wird im Abteil,
fehlt gleich die Gemütlichkeit.

Züge haben 3. Klassen,
Holzbänke sind ziemlich hart,
auf den Gängen herrscht Gedränge,
schlecht für einen guten Start.

Schwarzfahrer gibt's hin und wieder,
werden dafür hart bestraft
und vom Schaffner eines Zuges,
an die frische Luft geschafft.

Auf dem Bahngleis sind die Ärmsten,
vor Krieg und Hunger auf der Flucht,
Grenzen, die ihnen im Weg sind,
zu überwinden man versucht.

Im Alter wird die Fahrt beschwerlich,
vom langen Sitzen wird man steif,
Augen beginnen zuzufallen,
ist für den Liegeplatz längst reif.

Manchmal hab' ich das Verlangen,
die Notbremse im Zug zu zieh'n,
noch bevor alles zu spät ist,
werfe ich den Krempel hin.

Hans Lehrer


Hans Lehrer · 19.01.2020

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