Hl. Valentin ... bitt’ für uns

Der hl. Valentin, dessen historische Beweisführung sehr kompliziert ist, hat am 14. Februar seinen Namenstag. Sein Geburtsort liegt im umbrischen Terni. Als Bischof und Märtyrer starb er um 260. Sein Attribut ist ein Hahn neben einem verkrüppelten Knaben, den er vom Veitstanz geheilt haben soll. Er gilt als Beschützer des Viehs und hilft gegen Krankheiten der Schweine. Der Name des Heiligen hat jedenfalls dazu beigetragen, dass er als Helfer gegen die fallende Sucht gilt, die demzufolge St. Valentins Krankheit oder Plage heißt. Seine Hirnschale diente zur Heilung von Fallsüchtigen. In Würzburg setzte man gichtkranken Kindern seine Reliquien auf den Kopf. Er wird bei Gebärmutterleiden angerufen. Dennoch gilt der Valentinstag als Unglückstag, weil an ihm Judas Ischariot geboren sein soll. Alles, was an diesem Tage geboren wird, hat kein Glück und stirbt früh. Wenn es an diesem Tag donnert, sollen viele Leute, besonders reiche, sterben. Auch für das Vieh ist der Valentinstag ein Unglückstag. Wenn ein Stück Vieh fällt, so kommt es nicht auf. Ein Kalb, an St. Velten-Tag geworfen, dient nicht zur Zucht. Man darf keine Bruthennen ansetzen, sonst faulen alle Eier, oder die Jungen werden blind oder lahm oder sterben weg.

Noch mehr aber hat der hl. Valentin vor allem durch Bräuche, die sich mit seinem Gedenktag und seiner Verehrung als Beschützer der Verliebten verbinden, Bedeutung erlangt. Eine Tradition besagt, dass eine junge Frau genau den Mann heiraten wird, den sie am 14. Februar als ersten erblickt. Überhaupt wurden allerlei Liebes- und Eheorakel in der Nacht zum Valentinstage vorgenommen. Legenden erzählen, dass der hl. Valentin den Männern der Stadt empfohlen haben soll, doch lieber bei ihren Frauen und Kindern zu bleiben statt in den Krieg zu ziehen. Darüber sei der Kaiser so verärgert gewesen, dass er Valentin töten ließ.

Weit verbreitet ist der Brauch, sich zum Valentinstag Blumen zu schenken, um sich die gegenseitige Liebe auszudrücken. Ich glaube aber nicht, dass hinter diesem Brauch der hl. Valentin steckt, obwohl er den Menschen, die bei ihm vorbeikamen, bunte Blumensträuße aus seinem Klostergarten geschenkt haben soll. Vielmehr ist es die fortschreitende Amerikanisierung in Deutschland, die dem Valentinstag eine wachsende Rolle beimisst, auch wenn er nicht ganz die Bedeutung und die kommerziellen Bestrebungen von "Muttertag" erreicht hat.

Hans Lehrer