Hl. Walburga-
Fürsprecherin aller, die in Not sind

Vor einem halben Jahrhundert starb unsere Nachbarin, die Walburga Egleder. Sie war die beste Freundin meiner Mutter und kam oft herüber, wenn es ihre Zeit als Schweizerin bei der Süddeutschen Viehverwertung zuließ. Wir nannten sie einfach die “Waba” und freuten uns, wenn sie in der schlechten Zeit eine Kleinigkeit mitbrachte. Noch heute hebe ich einen ganz besonderen Porzellanengel auf, den sie mir einst auf Weihnachten geschenkt hatte, der in einem Kinderwagen sitzt und eine Kerze hält. Es macht nichts, dass er den Kopf schon einmal verloren hat und wieder angeklebt werden musste.

Das Leben der Walburga Egleder bestand aus harter Arbeit, und war geprägt von schweren Schicksalsschlägen. Ihr einziger Sohn, der Sepperl, den sie in die Ehe mitgebracht hatte, kehrte aus Russland nicht mehr vom Krieg heim, und später kam sie ihrem Mann auf die Schliche, dass er sie mit einer anderen Frau jahrelang betrogen hatte. Ihre letzte gute Tat, bevor sie starb, war der Versuch, zwei Schwestern zu versöhnen, die sich wegen einer Erbschaftsauseinandersetzung zehn Jahre lang nicht mehr angeschaut hatten. Eine davon war meine Mutter. Die Waba liegt auf dem Perlacher Forst Friedhof begraben, und wenn es die Zeit erlaubt, besuche ich am 25. Februar ihr Grab; denn an diesem Tag hatte sie Namenstag.

Ihre Namenspatronin ist die hl. Walburga, eine Angelsächsin, Schwester des hl. Willibald und Wunibald, Base des hl. Bonifatius, Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Heidenheim im Hochstift Eichstätt in Franken, gestorben 779. Der 25. Februar ist ihr Todestag. Sie ist begraben in Eichstätt. 1042 hob man die Reliquien der heiligen Walburga aus der Erde und setzte sie in einem steinernen Sarg unter dem Hochaltar der Kirche St. Walburg bei. Unter Walburgas Reliquienschrein bildet sich seit 1042 regelmäßig - ungefähr vom 12. Oktober, dem Tag der Übertragung in die heutige Grabstätte, bis etwa zum 25. Februar, dem Todestag Walburgas - eine glasklare Flüssigkeit. Dieses sogenannte "Walburgis-Öl" erfreut sich großer Wertschätzung. Es wird durch silberne Rinnen in einer vergoldeten Schale gesammelt, von Klosterfrauen in Glasfläschchen gefüllt und auf Bitte von Hilfesuchenden abgegeben. Walburga ist Pestpatronin, hilft gegen Unterleibsleiden und Augenkrankheiten. Zahlreiche Bitt- und Dankschreiben aus vielen Jahrhunderten und die über tausend Votivbilder an den Wänden der Gruftkapelle zeugen bis heute von der Hilfe der Heiligen bei unterschiedlichsten Nöten.

Hans Lehrer