Hl. Katharina bitt’ für uns

Die hl. Katharina war eine in den Wissenschaften ausgebildete edle Jungfrau aus Alexandrien in Ägypten, die unter Kaiser Maxentius 306 oder 307 nach vorherigem vergeblichen Versuch, sie zu rädern, enthauptet wurde. Als eine der gefeiertsten Heiligen des Morgen- und Abendlandes, hat sie am 25. November Namenstag. Der Kult der hl. Katharina gewann im Abendland seit den Kreuzfahrten große Verbreitung und fand seit dieser Zeit auch Eingang in den Kreis der Kirchenfeste. Vom 15. Jh. an galt sie als die größte Heilige unter den so genannten 14 Nothelfern.

Die zahlreichen Patronate, zu denen die Heilige während des späteren Mittelalters gelangte, haben zum größeren Teil ihren Grund in der legendären Ausschmückung ihres Lebens. In erster Linie galt und gilt Katharina als Schutzherrin der Philosophen und Gelehrten, zu dieser Würde erkoren durch die Pariser Universität. Angehörige des Lehrstandes wählten Katharina ebenso zur Patronin, wie Rechtsgelehrte und Notare, Redner und Bibliothekare, Schüler und die studierende Jugend. Weil nach ihrer Enthauptung ihrem Rumpf Milch statt Blut entfloss, wurde sie Schutzheilige der Ammen für Erlangung von Milch. Wegen der Messer, mit denen die für ihr Martyrium bestimmte Radmaschine besteckt war, wählten auch die Barbiere, die früher gleichzeitig Chirurgen waren, sie zu ihrer Patronin. Sie galt als Vorbild der Reinheit und deshalb leicht erklärlich als Patronin der Jungfrauen. Sie wurde zur Fürsprecherin von Schulmädchen, Dienstmädchen und Arbeiterinnen. Wegen des Rades, mittels dessen sie gemartert werden sollte, wurde Katharina frühzeitig Schutzheilige der Spinnerinnen, desgleichen der Wagner, Müller, und Scherenschleifer.

Als Heilige, deren Anrufung die “himmlische Zusicherung einer Erhörung” besitzt, zählt sie ganz besonders zu der Gruppe der 14 Nothelfer. Man wandte sich oder wendet sich an sie gegen Migräne, wahrscheinlich weil sie selber durch ihre Enthauptung mittels des Hauptes genugsam litt und Verdienste erwarb. Weil die Heilige so vortrefflich und beredt den christlichen Glauben gegen Kaiser Maxentius zu verteidigen wusste, also eine gute Zunge hatte, wurde sie bei Zungenleiden angerufen. Durch ihre Fürbitte sollten besonders auch Stumme geheilt werden. Nach der Legende floss aus ihrem Gebein, das Engel nach ihrem Tod auf den Berg Sinai trugen, ständig Öl, das alle Gliederübel heilte. In Tirol galt das Katharinenöl im Volk früher als Heilmittel gegen “Pest, Vergicht, Zitrachen, Gründschuppen, Atemnot, Eingeweidewürmer, Grimmen der Bärmutter” usw.

Ähnlich wie der Martinstag bedeutet der Katharinentag das Ende sommerlicher Herrlichkeit und eine Wende bäuerlichen Lebens. Infolge der Nähe des Adventbeginnes, der für öffentliche Feste und Vergnügungen kirchlich geschlossenen Zeit, galt schon der Katharinentag oder der in der Nähe liegende Sonntag vielfach als letzter Tag für Lustbarkeiten und öffentliche Tänze. Man sagte: “St. Kathrein stellt das Tanzen ein.” Die Lustbarkeiten machten einer stillen Zeit Platz, die Stimmung wurde ernster.

Der übergroßen Volkstümlichkeit der Heiligen ist es zuzuschreiben, wenn ihr Name bis in die neuere Zeit als Taufname sehr beliebt war. Wegen der üblen Bedeutung, die der Name andererseits im Laufe der Zeit annahm, vermied man es auch wohl, ein Mädchen auf den Namen Katharina taufen zu lassen. Es entwickelte sich die Meinung, jede Käthe sei ein halber Teufel. Burschen achteten darauf, dass ihre Braut nicht Katharina hieße. Möge die hl. Katharina diesen “Lästermäulern” verzeihen und dennoch ein gutes Wort für sie da oben einlegen.

Hans Lehrer