Kindergarten und Hort erinnern sich …

Bevor wir der Spitzhacke endgültig zum Opfer fallen, möchten wir beide, Kindergarten und Hort an der Forellenstraße in Trudering, unsere bewegte Geschichte erzählen.

Als die Kinderzahl in den neuen Siedlungsgebieten südlich der Wasserburger Landstraße immer mehr zunahm, entschloss man sich im Jahre 1935 nicht nur das neue Schulhaus sondern auch uns, Hort und Kindergarten als selbständige kleine Bauten in gut besonnter und geschützter Lage an der Südostecke des Grundstückes anzulegen. Gleich zu Beginn war im Hortgebäude zu ebener Erde ein Raum für eine Volksbücherei und im Untergeschoss eine Suppenküche mit Nebenräumen und ein öffentlicher Speiseraum vorgesehen worden.

Nachdem wir die Bombenangriffe fast unbeschadet überstanden hatten, nisteten sich bei Kriegsende widerrechtlich 3 polnische Familien mit 8 Personen ein. Die Anwesenheit dieser teilweise kriminellen Familien war nicht nur für uns unverträglich, sie verhinderte auch die Errichtung eines Kindergartens, der von den Eltern der Siedlung schon seit langem gefordert wurde. Für den Hort hatte man als Notlösung am 15.10.1945 zwei Räume des Schulhauses für einen städtisch gemischten Kinderhort belegt.

Das Hortgebäude wurde am 25.10.1947 als Jugendzentrum Trudering zur Benützung für G.Y.A. Zwecke überlassen. Mr. Newberry wollte sich dafür einsetzen, dass das neben dem Hort gelegene und widerrechtlich besetzte Kindergartengebäude freigemacht würde. Am 3. 9.1948 musste Rektor Stolz dem Stadtschulamt leider mitteilen, dass sich gestern auch noch eine wohnungsloses Ehepaar Hintermeier Hans und Frau, zuletzt wohnhaft Högelwörther Str. 11, gewaltsam den Einzug in das Hortgebäude verschafften. Nunmehr wohnten also 4 Parteien in unseren beiden Häusern. In einem eindringlichen Appell wurde der Stadtrat am 18.1.1949 von der Fraktion aufgefordert, zu beschließen, die Freigabe des Kindergartengebäudes auf dem Schulgrundstück schnellstens zu erreichen. “Das Kindergartengebäude ist heute noch widerrechtlich von Ausländern belegt, die einerseits keinerlei Miete zahlen, andererseits aber u. a. der Stadt München unerträglich hohe Stromrechnungen aufbürden.

Darüber hinaus sollte nach Möglichkeit erreicht werden, dass das Gebäude bald wieder den dringend benötigten schulischen Zwecken zugeführt wird. Abgesehen davon ist es für die Schuljugend nicht gerade zuträglich, das Treiben gewisser Ausländer unentwegt vor Augen zu haben.” Am 31.1.1949 teilte das Wohnungsamt Ost mit, dass es auch derzeit mangels geeigneter Ersatzunterkunft nicht möglich sei, die Polenfamilien auszuquartieren. Am 30.8.1949 wandten sich die Eltern der Siedlung noch einmal mit einem eindringlichen Schreiben an den Stadtrat, um dafür zu sorgen, dass endlich in der Forellenschule der Kindergarten wieder errichtet wird. Nachdem die Ausländer dank der Bemühungen des Herrn Stadtrat Wüstendörfer anderweitig untergebracht werden konnten und die deutsche Familie Hintermeier am 20.9.1949 ausgezogen war, begannen am 19.10.1949 die Instandsetzungsarbeiten.

Natürlich hatten wir Kriegsschäden davon getragen und wurden außerdem in einem unbeschreiblichen Zustand zurückgelassen, so dass eine durchgreifende Instandsetzung nötig wurde, damit wir wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt werden konnten. Von den dafür veranschlagten 13 300,- DM wurden für die Einfriedung des Kindergartens 1600, - DM, für die Instandsetzung der Sandkasteneinfassung und eines Vordaches 120,- DM, für Fensterläden an den 18 Fenstern 1100,- DM und für den Fassadenputz 1960,- DM ausgegeben.

Am 31. März 1950 fand unsere Wiedereröffnung statt.

Hans Lehrer