Trachtenvereine und die Erotik

Trachtenvereine pflegen nicht nur den Erhalt der althergebrachten Tracht, sie haben auch einen erotischen Aspekt. Herzstück eines jeden Trachtenvereins ist der Tanz und hier vor allem der Schuhplattler. Dabei kommt es zu zahlreichen körperlichen Berührungen der Geschlechter … bei einer Tanzfigur des Zweisteirer sogar zur Verabreichung eines offiziellen Busserls, das nicht selten der Beginn zu einer engeren Beziehung werden kann. Im Trachtenverein ist man auf Nachwuchs angewiesen. Kinder werden in die Vereine integriert, erleben und sehen für ihr Alter, wenn sie an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen oft zu viel. Bewusst betreibt man bei Kindern schon Kontaktpflege untereinander, um den Nachwuchs später am besten aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Kleine Kinder, teilweise noch im Vorschulalter, lernen bereits verschiedene Plattler, die nichts anderes als ein Werbetanz sind und dem Verhalten des Auerhahns in der Paarungszeit nachempfunden werden. Für Kinder und heranwachsende Jugendliche bis zu 26 Jahren werden von Zeit zu Zeit Zusammenkünfte organisiert, bei denen sie sich näher “beschnuppern” können. So wird regelmäßig ein gemeinsames Jugendzeltlager veranstaltet, in dem vor allem ältere Jugendliche oft ihre ersten Erfahrungen im Liebesleben machen. Vertieft und bewusst gefördert werden solche Beziehungen in einem gemeinsamen “Jugendtag” aller Vereine, der zu Tanz, Spiel und Gesang Kinder und Jugendliche einlädt. Eine große Rolle in der Ausbildung zu einem linientreuen Trachtler spielen neben den Jugendleitern auch die Vorplattler. Jeder Verein hat seinen eigenen Vorplattler, und für alle Vereine wird ein gemeinsamer “Gauvorplattler” gewählt, der aus den besten jugendlichen Plattlern und Dreherinnen eine Elitegruppe bildet, die bei den verschiedensten Ereignissen als “Gaugruppe” den Trachtengau repräsentiert. Natürlich ist es der Wunsch vieler Jugendlicher, durch ihr Können die Aufnahme in die Gaugruppe zu schaffen und achten darauf, es sich mit dem Gauvorplattler nicht zu verderben. Er ist der Schwarm vieler Mädchen und wird umworben und angehimmelt. Dabei entsteht oft Eifersucht, wenn die jungen Damen beim Gauvorplattler nicht landen können und er sich nicht für sie interessiert sondern einem anderen Dirndl seine Gunst schenkt. Die Folgen sind oft Intrigen, Rachegedanken und der Wunsch, es dem Gauvorplattler heimzuzahlen. Wenn er dazu noch eine Schwäche für das weibliche Geschlecht hat, verführerische Angebote nicht ausschlägt, womöglich selbst noch anbaggert, kann es für ihn ganz schön gefährlich werden; denn eine Liebkosung oder körperliche Berührung, die auch unter Trachtlern durchaus üblich ist, kann nachträglich sogar als sexueller Missbrauch ausgelegt und geahndet werden. Deshalb ist es für eine Gauvorplattler, will er sein Amt unbeschadet überstehen, sehr wichtig, den Verlockungen des weiblichen Geschlechtes nicht zu verfallen sondern unparteiisch und am besten wie ein Eunuche seine Aufgabe zu erfüllen.

Hans Lehrer