Der Südliche Friedhof zu München

Da die Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern nicht mehr erweitert werden konnten, reichten schon 1563 die Gottesäcker nicht mehr aus, als eine grausame Pest die Stadt heimsuchte. Man musste deshalb vor dem Sendlinger Tor, einen neuen Friedhof außerhalb der Stadt anlegen. Dieses Jahr ist zugleich die Geburtsstunde des Südlichen Friedhofes. Auch andere Städte haben ihren großen Zentralfriedhof, wo man die Reihen durchschreitend, von Grab zu Grab die Namen der großen Söhne und Berühmtheiten lesen kann. Nur ein gutes Jahrhundert lang war der Südliche Friedhof der Zentralfriedhof der bayerischen Haupt- und Residenzstadt. Es war aber dies zugleich auch die große Blütezeit der Metropole an der Isar. Als die Beerdigungen am 31. Dezember 1943 eingestellt wurden, besaß der Gottesacker 24 000 Familiengrabstätten. Diese Toten repräsentieren eine lange und für die Geschichte Münchens sehr bedeutsame Zeit, die sowohl das ausgehende Kurfürstentum Bayern als auch die Erhebung zum Königreich beinhaltet. Die großen Politiker, die diese Zeit mitbestimmten, finden wir zum Großteil hier begraben. Unter den ersten drei bayerischen Königen war München ein Zentrum der Wissenschaften. Im Südlichen Friedhof liegen die Großen begraben, denen München verdankt, dass es tonangebend in der Geistesgeschichte war. Berühmte Naturwissenschaftler fanden hier ebenso die letzte Ruhe, wie Historiker, Architekten und Philologen. Große Schauspieler, Bildhauer und Kunstmaler von denen ein jeder in seiner Art etwas Außergewöhnliches geleistet hat, liegen hier ebenso bestattet, wie die Gründer und Besitzer aller heutigen Großbrauereien. Von vielen dieser Toten steht heute nach der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges, der auch den Südlichen Friedhof nicht verschonte, der Grabstein, auf dem wir seinen Namen lesen könnten, nicht mehr.

Betrachten Sie trotzdem auf unserem Spaziergang in die Vergangenheit den Südlichen Friedhof als ein anschauliches Geschichtsbuch über die letzten 200 Jahre.

Hans Lehrer